Destabilisierung droht

Schallenberg in Skopje: Schreckgespenst Russland

Außenminister Alexander Schallenberg hat vor einer Destabilisierung in Südosteuropa durch Russland gewarnt und eine „glaubwürdige EU-Perspektive“ für die sechs Westbalkan-Staaten eingemahnt. „Wir dürfen nicht den Fehler begehen, zu glauben, dass Russland seine Augen nur auf die Ukraine gerichtet hat“, sagte er am Dienstag in der nordmazedonischen Hauptstadt Skopje. Nordmazedonien ist EU-Kandidat und wartet seit Jahren auf den Start der Beitrittsverhandlungen.

Artikel teilen
Drucken
Kommentare
0

Das EU-Mitglied Bulgarien blockiert den Start der Verhandlungen. Am Vortag hatte Schallenberg daher in Sofia auf Tempo gepocht. In Skopje gab er zu bedenken, dass es beim Ukraine-Krieg auch um den „Angriff auf unser Lebensmodell“ gehe, der auch den Westbalkan betreffe und eine „enorme Sprengkraft“ in sich berge. „Russland kann, ohne einen Schuss abzufeuern, auch andere Regionen schädigen“, hatte der Minister am Montag gesagt.

Nordmazedonien bei Russland voll auf EU-Linie
Nordmazedonien hat seine Außenpolitik in Sachen Ukraine ganz mit der EU und dem Westen gleichgeschaltet und trägt auch die Sanktionen gegen Russland mit. Der nordmazedonische Außenminister Bujar Osmani erklärte nach einem Arbeitsgespräch mit Schallenberg am Dienstag, sein Land habe auch bereits 35 Prozent der nordmazedonischen Gesetze an EU-Recht angepasst, ohne dass die Beitrittsverhandlungen überhaupt begonnen hätten.

Start von Beitrittsverhandlungen bis zum Sommer?
Schallenberg hofft, dass die Beitrittsverhandlungen noch unter französischer Ratspräsidentschaft im Juni oder Juli beginnen. Sowohl Bulgarien als auch Nordmazedonien sollten sehen, dass dies in beider Interesse wäre. Aus Sicht Schallenbergs sind alle Puzzleteile zur Lösung des bilateralen Streits, der sich in erster Linie um die eng miteinander verbundene Sprache, Kultur und Geschichte dreht, vorhanden. Die offenen Fragen könnten auch während der Beitrittsverhandlungen angegangen werden, so sein Standpunkt.

Ball liegt bei Bulgarien
Wann die Verhandlungen tatsächlich in Angriff genommen werden können, ist unklar und liegt vor allem am bulgarischen Staatspräsidenten Rumen Radew, der hier maßgeblichen Einfluss hat. Er gilt als teils Russland-freundlich und auch als Hardliner in der Veto-Frage gegen Nordmazedonien.

 krone.at
krone.at
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Freitag, 20. Mai 2022
Wetter Symbol
(Bild: Krone KREATIV)