Psychiaterin erklärt

„Tierquälern geht es um Gefühl von Mächtigkeit“

Oberösterreich
23.03.2022 19:00
Eine Stockente mit ausgerissenem Schnabel, ein Ziervogel, der an einem Brückengeländer festgeklebt wurde – solche Tierquälereien wie aktuell im Unteren Mühlviertel schockieren. Die forensische Psychiaterin Sabine Puritscher aus Hagenberg erklärt im „Krone“-Interview, warum es solche Untaten gibt. Oftmals geht es den Tätern dabei um reine Machtausübung an hilflosen Opfern.

„Krone“:Wer macht so etwas? Einen kleinen Vogel mit den Beinen an einem Geländer festkleben, einer Ente eine Schnabelhälfte wegreißen. Wie kann man so sinnlos handeln und so grausam sein?
Sabine Puritscher: Für die Einschätzung einer solchen Verhaltensweise spielt das Alter des Täters eine große Rolle. Kleine Kinder verstehen einfach noch nicht, was passiert. Ihnen fehlt die Empathiefähigkeit. Anders ist es bei Kindern im Volksschulalter. Da geht es schon sehr oft um ein Gefühl von Mächtigkeit. Da steckt meist ein Defizit dahinter, das an Tieren ausgetobt wird. Es gibt einfach eine gewisse Menschengruppe, der es Spaß macht, wenn ihr ein anderes Lebewesen völlig ausgeliefert ist.

Kriminalisten warnen immer wieder, dass Tierquäler Zeitbomben sein können.
Sadisten werden sexuell erregt, wenn sie sich beispielsweise an einem Pferd vergehen. Daraus muss aber nicht zwangsläufig ein Brandstifter werden, bei denen ja das Motiv, einmal beachtet zu werden und im Mittelpunkt zu stehen, weit stärker ausgeprägt ist.

Wie sollen Eltern reagieren, wenn sie bemerken, dass ihr Kind Spaß am Quälen hat?
Es ist wichtig, genau hinzuschauen und den Grund herauszufinden, warum das Kind das gemacht hat. Für viele ist es eine Aggressionsabfuhr. Die meisten Tierquäler kommen ungeschoren davon, weil ihre Opfer nicht aussagen können.

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