10.03.2022 12:41 |

Putin zerstört Ukraine

Botschafter: „Schlimmer als im Zweiten Weltkrieg“

Der ukrainische Botschafter in Wien, Wassyl Chymynez, hat Russland vorgeworfen, sein Land mit bewussten Angriffen auf die Zivilbevölkerung in die Knie zwingen zu wollen. Nachdem der schnelle militärische Erfolg ausgeblieben sei, führe der Aggressorstaat nun einen Psychokrieg, sagte Chymynez am Donnerstag. „Es ist viel schlimmer als die Bilder, die wir aus dem Zweiten Weltkrieg kennen“, sagte er mit Blick auf die Zerstörungen in den ukrainischen Städten.

Artikel teilen
Drucken
Kommentare
0

So sei die ostukrainische Millionenstadt Charkiw „total zerstört, dem Boden gleichgemacht“. Die Hafenstadt Mariupol sei bereits seit zehn Tagen komplett eingekesselt. „Kinder sterben dort an Dehydrierung“, schilderte der Diplomat. Die Methoden, die Russland einsetze, seien „schlimmer als jene Nazi-Deutschlands“, führte Chymynez die Argumentation Moskaus, in der Ukraine gegen vermeintliche Nazis und Faschisten zu kämpfen, ad absurdum.

„Putin tötet seit zehn Tagen einfach Zivilisten“
Die ersten zwei Wochen hätten gezeigt, „dass die russische Propaganda, die auch in Österreich sehr erfolgreich war, nur ein Bluff war“, so Chymynez unter Verweis auf Militärexperten, die seinem Land nach Kriegsausbruch nicht mehr als 48 Stunden gegeben hatten. Man habe gesehen, „wie stark der Widerstand ist“. Nun versuche der russische Präsident „die Ukrainer psychologisch zu vernichten, indem er seit zehn Tagen einfach Zivilisten tötet“.

Zitat Icon

Die Methoden, die Russland einsetzt, sind schlimmer als jene Nazi-Deutschlands.

Wassyl Chymynez, der ukrainische Botschafter in Wien

„Menschen in der Ukraine wollen dieses Modell von Putins Russland nicht“
Chymynez zeigte sich aber überzeugt, dass auch dieser Plan nicht aufgehen werde, weil die Bewohner des Landes ungeachtet ihrer sprachlichen Identität gemeinsam für ihre Freiheit kämpfen. „Alle Ukrainer verstehen, worum es geht. Die Menschen in der Ukraine wollen dieses Modell von Putins Russland nicht“, sagte er mit Blick auf den autoritär regierten Nachbarstaat. „Sie (die Russen, Anm.) haben einige Gebiete erobert, aber die Menschen werden sie nie erobern.“

„Natürlich ist die Lage dramatisch, ich will nichts schönreden“, sagte Chymynez. Der Krieg könne „noch lange dauern oder schneller zu einem Ende kommen“. Wie lange er dauere, hänge auch davon ab, wie sich der Westen verhalte. Je mehr er zuschaue, desto länger werde der Krieg dauern. „Wenn wir möchten, dass der Krieg sehr schnell zu Ende geht, müssen wir hart bleiben“, appellierte er an eine konsequente Verfolgung der Sanktionspolitik.

Zitat Icon

Die ersten zwei Wochen haben gezeigt, dass die russische Propaganda, die auch in Österreich sehr erfolgreich war, nur ein Bluff war.

Wassyl Chymynez, der ukrainische Botschafter in Wien

Chymynez warf im Vorfeld des ersten russisch-ukrainischen Außenministertreffens die Forderungen des Aggressorstaates entschieden zurück. „Wir wollen nur über ein Ende des Krieges reden“, betonte er. Dafür sei Präsident Wolodymyr Selenskyj auch zu Gesprächen mit seinem Amtskollegen Wladimir Putin bereit. Schließlich sei der Krieg auch „furchtbar für Russland“, sagte der Diplomat unter Verweis auf - bisher unabhängig nicht bestätigte - Berichte, wonach die russische Armee bereits 12.000 Menschen im Krieg verloren habe.

Die russische Armee sei „demoralisiert“, und die Menschen in Russland bekämen die Sanktionen bereits zu spüren. Nun sei wichtig, dass auch die Bilder vom Krieg die Menschen in Russland erreichen. Auch bei Putin sehe er bereits Anzeichen dafür, „dass er Angst hat“. Denn der Krieg werde „auch für ihn das Ende sein“, so Chymynez.

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Samstag, 28. Mai 2022
Wetter Symbol
Wien Wetter
(Bild: Krone KREATIV)