17.02.2022 11:00 |

Der harte Alltag

Sechs Euro am Tag: Studentin finanziell am Limit

Das Mädel soll studieren, damit sie es einmal besser hat als wir - das haben die Eltern immer gesagt. Doch „das Mädel“ kämpft sehr. Sechs Euro bleiben ihm am Tag. 

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Noch einmal zur Erinnerung - die Menschen in unserer Serie jammern nicht, sie klagen nicht, schon gar nicht betteln sie um irgendwas. Sie erzählen einfach aus ihrem Leben. Und wie es ist, wenn man tatsächlich jeden Euro und jeden Cent strecken muss.

So wie Susi M.; nennen wir die junge Frau einmal so. Sie studiert, hat ihr klares Berufsziel vor Augen, stellt alles hintan, um es zu schaffen. Nicht „nur“, weil sie von diesem Job träumt, seit sie Kind ist. Sondern, weil damit so viel verbunden ist. So oft hat sie gehört von ihren Eltern, die „aus ganz kleinen Verhältnissen“ stammen: Das Mädel soll studieren, damit die junge Frau es einmal besser hat als wir.

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Ich muss das Studium also schaffen - verstehen Sie das?

Susi M.

Durch Corona den Job verloren
„Ich war die Erste in der ganzen Familie, der es überhaupt ermöglicht wurde, die Matura zu machen und die nicht sofort arbeiten gehen musste“, schildert sie. „Ich muss das Studium also schaffen - verstehen Sie das?“ Daher hatte sie einen fixen Job noch neben Lernen und Uni, doch der war mit Corona dahin. Seither kämpft sie ums finanzielle Überleben.

In „jeder wachen Minute“ lernt („Man muss ja auch gewisse Ziele erreichen, sonst fliegt man aus dem Studium“) oder arbeitet sie, nimmt an Jobs an, was möglich ist. „Damit komme ich auf 500 bis 700 Euro im Monat“, sagt sie. Dazu kommen noch 143 Euro Wohnbeihilfe. Die Ausgabenliste ist viel länger, mit Wohnung, Versicherungen, Strom. Auf der Haben-Seite stehen 204 Euro im Monat. 6,7 Euro am Tag. Für alles.

Kein Urlaub, keine Partys
Zu wenig für die Lebensmittel. Die Studentin macht „Foodsharing“ in Graz. Dabei wird noch genießbares Essen von Lokalen oder Betrieben abgeholt, an Verteilstellen gebracht „und dann kann man sich was nehmen“. Ihre Kleidung bezieht sie von Verschenkt-Läden, „das sind Äußerlichkeiten, die mich nicht interessieren. Ich will nur durchkommen.“ Auf Urlaub fahren, fort gehen, Sachen machen, die andere in dem Alter können - geht alles nicht.

Soll sie halt das Studium hinschmeißen und voll arbeiten, müssen wir ja auch, werden einige vielleicht sagen. Die haben genau gar nichts verstanden.

26 Quadratmeter für 420 Euro
Oft genug war Susi M. ohnehin versucht, das Studium zu schmeißen - doch dann arbeitet sie in ihrer Freizeit noch härter. Freilich, an der Wohnungsmiete ließe sich vielleicht schrauben - „aber ich hab nichts gefunden. Ich hab eh nur 26 Quadratmeter für das Geld.“ Und warum hat sie keine Kinderbeihilfe? Die überlässt sie den Eltern, denen es nicht gut geht ...

Ein Lokal hat sie in Graz, in das sie einmal eingeladen war, da „gibt es das allerbestes Sushi“. Manchmal geht sie nur hin und schaut durchs Fenster rein. „Und dann versprech ich mir: Irgendwann lass ich es mir hier schmecken.“ Derzeit ist es nur ein Traum.

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