16.02.2022 11:53 |

Gutachter vor Gericht

Gardasee-Opfer sollen selbst Schuld an Tod sein

Nachdem ein junges Paar vergangenes Jahr am Gardasee bei einem Bootsunfall getötet wurde, wird die Tragödie vor Gericht verhandelt. Ein Gutachter der Verteidigung ließ nun mit einem überraschenden Bericht aufhorchen: Greta und Umberto sollen demnach eine Mitschuld an dem Unfall haben, der ihnen das Leben gekostet hatte. Und das, obwohl das deutsche Duo, das in ihr Holzboot gekracht war, viel zu schnell und betrunken unterwegs gewesen sein soll ...

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Die Angehörigen von Greta und Umberto, die nur 25 bzw. 37 Jahre alt wurden, sind entsetzt: Das Paar soll eine Mitschuld an dem verheerenden Unglück haben. „Ich bin scho­ckiert, denn sie geben mei­nem Sohn die Schuld an dem Unfall, weil sie sagen, sein Boot habe im Wasser getrie­ben", zeigte sich Umbertos Vater Enzo Garzarella fassungslos. 

Boot des Paares war vorschriftsmäßig beleuchtet
Die beiden waren Mitte Juni vergangenen Jahres in der Nacht mit einem Holzboot aus dem Hafen gefahren, um einen romantischen Ausflug unter sternenklarem Himmel zu genießen. Ihr Gefährt war vorschriftsmäßig beleuchtet. Dann brauste ihnen eine Motorjacht entgegen - ein 52-jähriger Unternehmer aus München war am Steuer, an Bord war auch der Bootsbesitzer. Bei der anschließenden Kollision hatte das italienische Paar nicht die geringste Lebenschance. 

Küstenwache berechnete Speed des Motorboots mit 20 Knoten
Die mutmaßlichen Unfallverursacher wurden vor dem Unfall dabei gesehen, wie sie viel Alkohol getrunken hatten - es soll nicht wenig Champagner, Wodka und Wein an diesem Abend geflossen sein. Die Küstenwache berechnete den Speed der Motorjacht mit 20 Knoten. Das entspricht der vierfachen erlaubten Geschwindigkeit in der Nacht.

Todesopfer sollen Schifffahrtsbestimmungen verletzt haben
Doch die Verteidigung trieb einen Gutachter auf, der den Fall ganz anders darstellt. „Die Fahrt der Riva vom Restaurant Il Sogno bis zum Anlegepunkt in Salò dauerte 30 Minuten und 22 Sekunden. Die Durchschnitts­geschwindigkeit lag zwischen 7,8 und 9,5 Knoten“, erklärte der Schiffsingenieur Massi­mo Gronda vor Gericht. Die Berechnungen, die sich aus Aufnahmen einer Überwachungskamera erstellt wurden, seien verzerrt. Das Boot der Todesopfer hätte außerdem dem Motorboot ausweichen müssen. Die Verstorbenen hätten gegen die Schifffahrtsbestimmungen verstoßen und nicht die Angeklagten, so der Gutachter. 

Umbertos Vater ist geschockt: „Sie haben zwei junge Men­schen getötet. Ihnen die Schuld zuzuschieben, ist un­passend.“ Die Hinterbliebenen erhielten bislang rund 3,5 Millionen Euro von der Versicherung des Unfallgegners. Der Prozess in Brescia ist damit noch nicht zu Ende - ein Urteil wird Ende März erwartet. 

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