Gratis-System wackelt

Gutes Geschäft: Testen kostet weit mehr als Impfen

Politik
15.02.2022 18:07

Mit aktuell mehr als einer halben Million PCR-Tests täglich ist Österreich „Testweltmeister“. Das verschlingt freilich Milliarden und kommt den Staat mittlerweile deutlich teurer zu stehen als das Impfen. Nutznießer sind Großlabore wie Lifebrain und Novogenia. Nun steht ein Ende der Gratistests im Raum.

Laut einer NEOS-Anfrage rechnete allein das Gesundheitsministerium für 2021 mit 1,6 Milliarden Euro für das Testen. Für heuer sind 1,3 Milliarden kalkuliert. Fürs Impfen beliefen sich die Kosten 2021 auf 0,47 Milliarden, für heuer sind 0,75 Milliarden veranschlagt. Das Ministerium erklärte auf APA-Anfrage, seit Pandemiebeginn seien bis Ende 2021 rund 1,8 Milliarden Euro an Testkosten ausbezahlt worden - ohne die Tests in Betrieben und Schulen, die von Wirtschafts- und Bildungsministerium abgewickelt werden.

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein, bisher ein Verfechter des Gratistestsystems (Bild: APA/Herbert Neubauer)
Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein, bisher ein Verfechter des Gratistestsystems

Das Finanzministerium teilte mit, dass für die Jahre 2020 und 2021 aus dem Bundeshaushalt bisher 2,6 Milliarden Euro für Tests aufgewendet wurden. Zum Vergleich: Die Impfstoff-Beschaffung machte im selben Zeitraum rund 340 Millionen aus. Nicht enthalten in der Rechnung des Finanzressorts sind allerdings die Kosten für den Betrieb der Impfstraßen.

Statistisch hat jeder Österreicher schon 32 Corona-Tests gemacht
Seit Beginn der Pandemie wurden rund 97 Millionen PCR- und rund 189 Millionen Antigentests durchführt. In Summe sind das gut 286 Millionen Tests - oder 32 pro Einwohner. Die Zahlen umfassen die behördlichen Tests aus den täglichen Bundesländermeldungen ebenso wie die Tests in Apotheken, Schulen und Betrieben sowie jene im Tourismus. Den 286 Millionen Tests stehen rund 17,9 Millionen Impfungen gegenüber.

„Alles gurgelt“ verrechnet knapp sechs Euro pro Test
Derzeit werden täglich gut 500.000 PCR-Tests ausgewertet, vier von fünf in Wien. Die Bundeshauptstadt hat ihr „Alles gurgelt“-Programm groß aufgezogen und seither mehr als 40 Millionen PCR-Tests durchgeführt. Das dahinterstehende Labor Lifebrain verrechnet laut Chef Michael Havel der Stadt knapp sechs Euro pro Test. Bei täglich 400.000 Gurgeltests macht das einen Tagesumsatz von 2,4 Millionen Euro. In den anderen Bundesländern werden die Kosten pro Test in ähnlicher Höhe veranschlagt.

Die Kosten für einen Antigentest bewegen sich in ähnlicher Größenordnung. Unternehmen erhalten für betriebliche Tests einen pauschalen Kostenbeitrag des Bundes von zehn Euro pro Test, Apotheken bekommen je 25 Euro.

Trägt Bund-Länder-Gipfel Gratistests zu Grabe?
Politisch wird am Gratis-System zunehmend gerüttelt, mehrere hochrangige - vor allem - ÖVP-Politiker hatten sich zuletzt dafür ausgesprochen, die Tests früher oder später kostenpflichtig zu machen. Am Dienstag tat das etwa erneut der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, dem eine Testgebühr in Höhe der Rezeptgebühr vorschwebt. Der Bund-Länder-Gipfel am Mittwoch könnte hier die Weichen stellen.

Hinter vorgehaltener Hand wird die Testflut freilich auch in der Branche hinterfragt. „Es ist gut gemeint, an jeder Ecke Gratis-PCR-Tests anzubieten. Aber es wird übertrieben und hat zur niedrigen Impfquote beigetragen“, sagte zuletzt ein Betreiber eines Test-Großlabors im „trend“.

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