04.01.2022 17:43 |

Isolationsteams:

„Für die Schnarcher eigene Container aufgestellt“

In Italien sind derzeit von 60 Millionen Einwohnern 2,5 Millionen in Quarantäne - und das spürt man dort. Die Personalausfälle im öffentlichen Verkehr oder im Gesundheitswesen beeinträchtigen den Betrieb in diesen für das tägliche Leben essenziellen Bereichen. Damit das in Österreich so nicht passiert, bereitet Wien Energie Isolationsteams vor, wie das im Frühjahr 2020 bereits vielerorts gemacht wurde. Am 7. Jänner geht es für die Teams los. Wie der Alltag in solchen Isolationsteams aussieht, hat krone.tv-Journalistin Damita Pressl mit Alexander Kirchner von Wien Energie besprochen; er ist verantwortlich für das Management der Kraftwerksstandorte.

50 Mitarbeiter hätten sich freiwillig gemeldet, erzählt Kirchner; sie werden von Kollegen, Familie und Bekannten isoliert. „Dadurch soll sichergestellt werden, dass wir den Betrieb der Anlagen jederzeit gewährleisten können“. Es werden an den Hauptstandorten Teams isoliert: in den Abfallverwertungsanlagen Spittelau, Flötzersteig, Simmeringer Haide und im Kraftwerk Simmering. „Von dort aus können wir auch, teilweise über Fernbedienung, weitere Standorte betreiben“, erklärt Kirchner. Im Kraftwerk Simmering könne man etwa per Fernsteuerung auch das Kraftwerk Donaustadt betreiben. So halten die Isolationsteams alle Standorte im Betrieb.

Ausgewählt wurden Mitarbeiter mit Kraftwerkausbildung, die auch teamfähig sind - schließlich verbringen sie vier Wochen lang auf engstem Raum all ihre Zeit gemeinsam: „Da muss man gut zusammenpassen, sonst bekommt man einen Lagerkoller“, so Kirchner. Bis zu 20 Mitarbeiter sind es pro Standort, die sich die Zeit in eine Tag-, eine Nacht-, und eine Freischicht aufteilen. Neben dem Schlafbereich gibt es einen Fitnessraum und Spielbereiche mit Fernseher, Playstation, Puzzles und einem „Wuzzler“: „Wir versuchen, möglichst gute Ablenkung bereitzustellen.“ In „abgesperrten Außenbereichen“ können die Mitarbeiter auch Frischluft schnappen - wie wichtig das ist, sei eines der großen Erkenntnisse aus der ersten Isolation gewesen, so Kirchner. Überhaupt habe man im März 2020 viel gelernt, teils auch praktische Dinge: „Manche Mitarbeiter schnarchen. Für die haben wir eigene Schnarchcontainer aufgestellt“, schmunzelt Kirchner. Ohrstöpsel alleine hätten nicht gereicht.

Durchhalten müssen die Teams fürs Erste vier Wochen. Kurz vor Ablauf dieser Zeitspanne werde die Situation anhand der Infektionszahlen neu bewertet. Für die Mitarbeiter zwar schwierig, aber in gewisser Weise auch schön: „Es ist anstrengend, vor allem, je länger es dauert, aber in der ersten Isolation haben wir so gute Erfahrungen gemacht, dass wir optimistisch in die Zukunft schauen. Eine häufige Rückmeldung, die ich bekomme, ist, dass das eine der besten Team-Building-Maßnahmen war, die wir je hatten“, sagt Kirchner. Man lerne sich auch in der Freizeit kennen und würde so richtig zusammengeschweißt. „Die Chemie im Team ist der Erfolgsfaktor. Ich bin sehr stolz auf meine Mitarbeiter, dass sie das jetzt schon zum zweiten Mal machen.“

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