21.11.2021 06:00 |

„Krone“-Gastkommentar

Lehrplan statt Leerplan

China ist anders. Seit Jahren. Dort werden Kinder ab vier Jahren in den privaten Programmierunterricht geschickt. Sie lernen, wie man kleine Roboter programmiert und die Grundlagen von Software Entwicklung beherrscht. Spielerisch, im Vorschulalter.

Estland ist anders. Seit Jahren. Dort haben Kinder seit 25 Jahren Internet-Zugang in Schulen. Dort wird Robotik und Informatik bereits in den meisten Grundschulen gelehrt. Estland, übrigens Nummer 1 in der Pisa-Studie, lässt im Bildungssystem auch Spielraum für Freiraum: Gut 90 Prozent der Grundschulen und 60 Prozent der Kindergärten unterrichten IT. Ergebnis: ein massiver Vorsprung durch Technik, von dem vor allem die Wirtschaft profitiert. Estland zählt bloß 1,3 Millionen Einwohner. Zugleich über 1000 Start-ups. Im Verhältnis Einwohner zu Unicorns (das sind Start-ups mit einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar) ist Estland überhaupt Weltspitze: Der Video-Telefonie-Dienst Skype wurde 2003 von estnischen Ingenieuren entwickelt, 2005 um 2,6 Milliarden an eBay und 2011 um 8,5 Milliarden Dollar an Microsoft verkauft. 44 Prozent der Skype-Mitarbeiter sitzen noch heute in Estland.

Österreich ist anders. Hier ist der Lehrplan zum Teil ein Leerplan. Hier reichen Tablets, um in der Schule Innovation vorzutäuschen. De facto braucht Österreich das Unterrichtsfach Programmieren. Ab der Volksschule. Nicht jeder wird später ein Unicorn bauen. Aber jeder wird viel lernen.

Christian Baha

 Kronen Zeitung
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