13.11.2021 09:00 |

Trend zur Schallplatte

Für diese Oststeirer ist die Welt eine Scheibe

Heuer schreibt der Schallplattenmarkt Umsatzrekorde, die Verkäufe steigen um gut 50 Prozent. Auch im einzigen Presswerk für Vinyl in Österreich, im steirischen Fehring, geht es ziemlich rund. Nächstes Jahr wird ein Neubau bezogen, denn ein Ende des Booms ist derzeit nicht in Sicht.

Von dieser Erfolgsgeschichte können sich viele eine Scheibe abschneiden. 2017 haben die glühenden Vinyl-Freaks Johann Fauster, Johann Koller und Peter Wendler in einem alten Bürgerhaus in Fehring mit dem Schallplattenpressen begonnen und diese Produktion in Österreich wiederbelebt. „Wir haben Maschinen aus Schweden angekauft, am Produktionsvorgang getüftelt, viel improvisiert und los ging’s“, erzählt Wendler von bescheidenen Anfänge, die schnell in die richtigen Rillen gefunden haben.

Vinyl-Platte als Objekt der Begierde
Geholfen hat die nicht absehbare Nachfrage nach bereits totgesagten Schallplatten. Vinyl ist aber nicht nur bei Sammlern ein Objekt der Begierde. Besonders die junge Generation fährt darauf ab. Der Besitz einer Schallplatte scheint ein Ausgleich zum digitalen Konsum zu sein. Corona hat den Trend zusätzlich befeuert. In der Pandemie sind die Schätze im Keller und Dachböden entdeckt worden.

„Es wird in Vinyl wie in Aktien investiert und auf eine mögliche Wertsteigerung spekuliert“, erklärt sich der oststeirische Austrovinyler den Hype, der die CD alt ausschauen lässt. „Immer mehr Bands veröffentlichen nur mehr als Download und Schallplatte. Neben aktuellen Aufnahmen gibt es wegen der großen Nachfrage auch Nachpressungen alter Aufnahmen, von Bowie bis Falco“, erzählt Wendler.

Bei neuen Aufträgen ist viel Geduld gefragt
Bis zur Zimmerdecke stapeln sich die Rohmaterialien für die Produktion, im Keller die Kartonagen für die LP-Covers. Das Granulat für die kunterbunten Schallplatten kommt aus Italien. Dass sich die Rohstoffe seit Sommer um 50 Prozent verteuert haben, ist zwar ärgerlich, muss jedoch aus Mangel an Alternativen hingenommen werden.

Der weltweite Mangel an Rohstoffen wie PVC, Papier und Kartonagen ist in Fehring noch kein Problem. Bei Austrovinyl läutet daher unentwegt das Telefon von Plattenlabels, die ihre überfälligen Aufträge in die Oststeiermark verlegen wollen. Wendler: „Wer uns jetzt einen Auftrag gibt, muss sich bis zu fünf Monate gedulden.“ Die Zwei-Schicht-Produktion mit zwölf Mitarbeitern ist am Limit.

Neues Presswerk soll 2022 fertig sein
Wöchentlich verlassen knapp 10.000 Schallplatten das Werk. Sowohl in der Jahresproduktion als auch beim Überschreiten des Ein-Million-Euro-Umsatzes werden in Fehring neue Rekorde geschrieben, die den Ausbau der Schallplattenproduktion forcieren. 2022 soll das neue Presswerk fertiggestellt werden. Die Millioneninvestition ermöglicht eine Verdreifachung der aktuellen Produktion von 400.000 Stück im Jahr.

Erich Fuchs
Erich Fuchs
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