14.10.2021 14:35 |

Doch nie Ozeane?

Venus war wohl immer lebensfeindliche „Hölle“

Die Venus, der Schwesterplanet der Erde, hat möglicherweise nie Ozeane beherbergt. Das lassen neue Computersimulationen vermutlich. Das Klima ließ es demnach nicht zu, dass Wasserdampf dort kondensieren konnte. Die neuen Ergebnisse widersprechen früheren Einschätzungen, wonach es auf der jungen Venus einst Meere gegeben haben könnte.

Zum Vergleich: Auf der Erde gibt es seit fast vier Milliarden Jahren Ozeane. Die Fachwelt ist sich uneins, ob sich flüssiges Wasser auch jemals in die Venus hineingefressen hat. Ein Team um Astrophysiker Martin Turbet von der Universität Genf fügt im Fachmagazin „Nature“ nun ein Puzzlestück hinzu.

„Wir haben das Klima der Erde und der Venus ganz am Anfang ihrer Entwicklung simuliert, vor mehr als vier Milliarden Jahren, als die Oberfläche der Planeten noch geschmolzen waren“, wird Turbet in einer Mitteilung der Universität Genf zitiert. Die Himmelskörper ähnelten damals einem gigantischen Dampfkochtopf.

Und gemäß den Forscher waren die Temperaturen auf der Venus nie tief genug, als dass der Wasserdampf in der Atmosphäre kondensieren und sich in Form von Regen auf dem Planeten ergießen konnte. Denn Wolken, die sich bevorzugt auf der Nachtseite des Planeten bildeten, sorgten für einen enormen Treibhauseffekt, der eine ausreichend starke Abkühlung der Venus - und somit die Bildung von Ozeanen - verhinderte.

Mehrere Missionen zur Venus geplant
In den nächsten zehn Jahren schicken die europäische und amerikanische Raumfahrtagenturen ESA und NASA drei Missionen zur Venus. Und auch die Vereinigten Arabischen Emirate wollen 2028 eine Sonde starten, die den Planeten umrunden und Daten sammeln soll. Die dann gewonnenen Beobachtungen werden entscheidend sein, „um unsere Arbeit zu bestätigen - oder zu widerlegen“, sagte der Genfer Professor und Mitautor der Studie, David Ehrenreich.

„Wenn die Autoren richtig liegen, war die Venus schon immer ein Höllenloch“, schreiben die US-Forscher James Kasting und Chester Harman in einem Begleitartikel zur Studie. Tatsächlich ist die Venus heute ein „Höllenloch“: Die dicke Atmosphäre besteht hauptsächlich aus Kohlendioxid, es herrscht ein unglaublich starker Luftdruck und die Temperaturen liegen Tag und Nacht bei etwa 470 Grad Celsius.

Die Astrophysiker zeigten in ihren Simulationen ebenfalls, dass die Erde nur haarscharf am gleichen Schicksal wie die Venus vorbeischrammte. Wäre die Erde nur ein wenig enger um die Sonne gekreist oder hätte unser Zentralgestirn früher so hell geschienen wie heute, wäre es nun ein genauso unwirtlicher Planet wie die Venus.

Drittkleinster Planet unseres Sonnensystems
Die Venus - mit 12.100 Kilometern Durchmesser fast genauso groß wie unsere Erde - ist mit einer durchschnittlichen Sonnenentfernung von 108 Millionen Kilometern der zweitinnerste und der drittkleinste Planet des Sonnensystems. Der innere Nachbar der Erde kreist in knapp 225 Tagen um unser Zentralgestirn. Weil sich der Planet aber nur sehr langsam um die eigene Achse dreht, ist ein Venustag mit 243 Erdentagen länger als ein Venusjahr.

Der Planet ist von einer geschlossenen, undurchsichtigen Wolkendecke umhüllt, seine Atmosphäre besteht hauptsächlich aus Kohlendioxid, in geringeren Mengen kommen auch Stickstoff, Wasserdampf und Schwefeldioxid sowie Gase in Spuren vor.

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