02.10.2021 14:00 |

Gesundes Wohnen

Die große Vorbildwirkung kleiner Gemeinden

In den vergangenen 15 Jahren entstanden in Vorarlberg über 100 nachhaltige Kommunalgebäude. Wie es dazu gekommen ist und warum es noch mehr davon braucht.

Vom Vorarlberger Stararchitekten Roland Gnaiger, seines Zeichens unter anderem vierfacher Gewinner des Österreichischen Bauherrenpreises, stammt folgender Satz: „Nachhaltigkeit zeigt sich, wenn Systeme oder Bauweisen auch aus räumlich, zeitlich und thematisch größerer Distanz noch richtig, nützlich und hilfreich sind.“

Insbesondere bei kommunalen Bauten spiele eine nachhaltige Bauweise eine entscheidende Rolle, wie DI Dietmar Lenz, Leiter des Bereichs Beschaffung und Vergabe beim Vorarlberger Gemeindeverband, betont: „Öffentliche Gebäude sind meist komplexer als private Wohnbauten. Außerdem handelt es sich zumeist um Häuser mit multifunktionaler Nutzung - wie etwa Schulen, Pflegeheime oder Gemeindezentren.“ Dementsprechend wichtig sei es, dass eine lange Nutzungsdauer bei permanent hoher Funktionalität und zugleich niedrigen Betriebs- und Wartungskosten sichergestellt werden kann. Zudem sollten regionale und ökologische Baustoffe verwendet werden, die leicht ersetzbar sind bzw. würdevoll altern.

Und „last but not least“ gelte es, ein besonderes Augenmerk auf eine schadstoffarme Raumluft und einen klimaneutralen Betrieb zu legen. All das klingt einleuchtend. Damit die Gemeinden aber auch in der Praxis auf die Errichtung von nachhaltigen Gebäuden setzen, haben der Vorarlberger Gemeindeverband, das Energieinstitut Vorarlberg und die Firma „Spektrum“ 2006 das Servicepaket „Nachhaltig: Bauen in der Gemeinde“ entwickelt. Mittlerweile sei man, so Lenz, beim 130. Projekt angelangt: „Davon konnten in den vergangenen 15 Jahren bereits über 100 Neubauten oder Sanierungsprojekte realisiert werden - vom Dorfkindergarten im Bregenzerwald bis zum Montforthaus in Feldkirch. Alles in allem wurde bis dato ein Bauvolumen von rund 1,3 Milliarden Euro umgesetzt.“

Fördern und fordern
Neben den Vorteilen für Mensch und Umwelt wird den Gemeinden auch ein finanzieller Anreiz geboten - denn je nachhaltiger gebaut wird, umso höher fallen die Fördermittel aus. Als Bewertungsgrundlage gilt der sogenannte „Kommunalgebäudeausweis“ mit insgesamt 21 Kriterien: Neben Energieeffizienz und der Verwendung von ökologischen und nachhaltigen Baustoffen geht es beispielsweise darum, eine gesunde Umgebung speziell für sensible Personen zu schaffen. „Die Kriterien werden stetig weiterentwickelt und an die aktuellen Entwicklungen angepasst.

Immer wichtiger werden daher Bereiche, mit denen wir dem Klimawandel gerecht werden können - darunter eine naturnahe Außengestaltung, die Begrünung von Fassaden und Dächern oder das Verhindern von versiegelten Flächen. Überdies ist die Sicherstellung der Sommertauglichkeit ein Kriterium. Da nämlich Klimaanlagen vermieden gehören, braucht es etwa Nachtlüftungskonzepte, Verschattung und andere klimaneutrale Maßnahmen, damit die Gebäude nicht überhitzen“, erklärt Lenz. An Bedeutung gewännen zudem auch Mobilitätsthemen: So sollen Abstellplätze für Fahrräder oder eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr dafür sorgen, dass die Nutzer von kommunalen Gebäuden ihr Auto öfters stehen lassen.

Es zahlt sich aus
Im Rahmen des Servicepakets „Nachhaltig: Bauen in der Gemeinde“ - die Begleitung wird übrigens von Bund und Land gefördert - kann der gesamte Prozess auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Werden die Experten von Beginn an eingebunden, halten sich meist auch die Mehrkosten im überschaubaren Rahmen. Generell gilt die Regel: Energieeffiziente, ökologische Gebäude erfordern zwar etwas höhere Investitionskosten, langfristig aber zahlt sich ein nachhaltiger Ansatz immer aus - etwa dank günstigerer Betriebskosten und höherer Förderungen. Vor allem aber gewinnen bei einer ökologischen Bauweise die Umwelt und die Gesundheit.

Christiane Mähr
Christiane Mähr
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