02.10.2021 06:00 |

Experte im Interview

„Der typische Raser ist ein Mann und unter 35“

Raser aus dem Verkehr zu ziehen, bestimmt den Alltag von Roman Walcher. Wir haben mit dem Zivilpolizisten über neue Strafen, dumme Ausreden und trauernde Angehörige geredet.

„Krone“: Herr Walcher, seit einem Monat gelten in Österreich höhere Strafen fürs Schnellfahren. Erwarten Sie sich dadurch einen Rückgang der Delikte?
Roman Walcher:
Die Strafen für Extremraser sind empfindlich angehoben worden, dies ist sicherlich zu begrüßen und sollte auch Wirkung zeigen.

Sie fahren im Jahr bis zu 40.000 Kilometer. Gibt es eine Ausrede von Verkehrssündern, die Sie noch nicht gehört haben?
Vermutlich nicht. Wobei die meisten Schnellfahrer nicht besonders originell sind. Der Großteil gibt an, einen dringenden Arzttermin oder die Geschwindigkeitsbeschränkung übersehen zu haben. Dass das vor Hunger schreiende Kind am Rücksitz Grund fürs Rasen sei, haben wir allerdings auch schon öfter gehört.

Müssen Sie sich mitunter auch beschimpfen lassen?
Das kommt immer öfter vor, der Ton in der Gesellschaft wird ja leider allgemein rauer. „Habt’s nichts Besseres zu tun?“ und „Ist Euch denn so langweilig?“ gehören da zu den freundlicheren Standards.

Sie haben schon viele Extremsituationen erlebt. Zuletzt, als Sie im August einen jungen Mann mit über 200 km/h bei Graz-Ost von der Autobahn geholt haben. Wie reagiert ein solcher Lenker?
Da gibt es zumeist ganz typische Phasen: Im ersten Moment herrscht Stille, dann kommen die Tränen, danach der Wutausbruch.

Zitat Icon

Zuerst kommen die Tränen, dann der Wutausbruch.

Zivilpolizist Roman Walcher

Und die Reue?
Die blieb hier aus. Die Begründung des Lenkers, übrigens ein Wiederholungstäter, war, dass er seinem Freund, der am Beifahrersitz saß, zeigen wollte, wie schnell sein Auto geht.

Einsätze wie diese sind auch für Sie als Polizisten sowie andere Verkehrsteilnehmer gefährlich. Wann entscheidet man sich für einen Abbruch der Aktion?
In dem konkreten Fall war die Situation wirklich heikel. Der Lenker machte über eine weite Strecke trotz Verfolgung durch die Polizei keine Anstalten, anzuhalten, fuhr mit extrem hoher Geschwindigkeit, wechselte abrupt die Fahrspuren - da haben wir uns dann zu einem Abbruch entschieden und die Landesleitzentrale informiert. Im letzten Moment kam er dann aber doch noch zur Vernunft und hielt an.

Gibt’s den typischen Raser?
Aus meiner Erfahrung ist die Mehrheit der Schnellfahrer zwischen Führerscheinneuling und 35 Jahre, männlich und fährt einen Audi oder BMW.

Sie gehen auch in Schulen, um junge Menschen auf ein richtiges Verhalten im Straßenverkehr vorzubereiten. Wie kann man gute Autofahrer heranziehen?
Es gibt keine guten, sondern lediglich erfahrene Autofahrer. Aber auch als erfahrener Lenker kann ich mich nicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer verlassen und in eine Situation geraten, die ich so einfach noch nie hatte.

Apropos: Was ist das Irrste, das Sie je gesehen haben?
Als ein Motorradfahrer auf einer unübersichtlichen Landstraße einen Lkw mit 150 km/h überholt hat - mit einem Wheelie.

Hatten Sie auch schon Kontakt mit Opfern von Rasern bzw. deren Familien?
Leider schon öfters. Wenn junge Menschen sterben, ist das natürlich besonders tragisch. Eltern und Geschwister beschäftigen dann meist dieselben Fragen: Hat das Opfer leiden müssen, was hat es vom Unfall mitbekommen usw. Vielen Rasern ist nicht bewusst, wie viel Leid sie verursachen können.

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