27.08.2021 12:00 |

Schönste Wanderrouten

Beeindruckende Kraterlandschaft in den Alpen

Eine in Europa einmalige Landschaft gibt es in Lech am Arlberg zu bewundern. Dort entstanden aus dem ehemaligen Grund eines Urzeitmeeres mithilfe von Wind und Wetter die Gipslöcher.

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Die sogenannten Gipslöcher sind eine Ansammlung tiefer Krater und vom Wetter geformter Kalkdolinen. Das Naturschutzgebiet ist ein besonderes Ausflugsziel für die gesamte Familie.Von der Ortsmitte in Lech geht es direkt mit der Bergbahn nach Oberlech. Von dort können die verbliebenen Höhenmeter entweder zu Fuß bewältigt werden oder aber man steigt auf die Petersbodenbahn (Sessellift) um. Ein ausgeschilderter Schotterpfad führt von deren Bergstation direkt zum Naturschutzgebiet.

Auf dem Weg dorthin beeindruckt der Ausblick auf die imposante Mohnenfluh, die 2542 Meter in den Himmel ragt und somit der vierthöchste Gipfel im Gebiet Schröcken ist. Bald zweigt der schmale Lehrwanderpfad vom breiten Hauptweg ab und man begibt sich auf eine interessante Erkundungstour: Vor mehr als 200 Millionen Jahren (Triaszeit) war das Lechgebiet von Meereswasser bedeckt. In Lagunen setzte sich zunächst Kalkschlamm ab, der mit der Zeit zu Stein wurde. Über dem kalkigen Sandstein hatte sich eine Gipslagerstätte gebildet, in die Regen eindrang, als das Urzeitmeer längst verschwunden war. Das Wasser ließ das Gestein aufquellen und floss mit dem gelösten Gips schließlich unterirdisch ab. Auf diese Weise entstand die heute sichtbare Kraterlandschaft.

Naturschutzgebiet ist in Gefahr
Mit über 1000 Dolinen gelten die Gipslöcher europaweit als geologische Besonderheit. Für Aufregung sorgte 2019 deshalb die Entscheidung der Vorarlberger Landesregierung, rund 900 Quadratmeter aus dem Naturschutzgebiet herauszulösen, um so die Erneuerung der Grubenalpbahn zu ermöglichen.

Durch Initiative von Naturschutzorganisationen focht der Landesvolksanwalt diesen Eingriff beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) an. Die für die Baugenehmigung zuständige Bezirkshauptmannschaft Bludenz wird wahrscheinlich den Spruch des VfGH abwarten, bevor sie einen Bescheid erlässt. Der Startschuss für die Erneuerungsmaßnahmen der Bahn wäre für 2022 angesetzt. Es bleibt zu hoffen, dass Tourismus und Naturschutz einen Konsens finden und die einmalige Landschaft rund um die Gipslöcher intakt bleibt.

Die größte Doline in diesem Gebiet hat einen Durchmesser von nahezu 100 Metern und einen Krater von zirka 35 Metern Tiefe. Murmeltiere finden hier optimalen Schutz vor Fressfeinden, zudem eignet sich das weiche Gipsgestein bestens für den Höhlenbau.

Eigenes Mikroklima durch Dolinen
Das Naturschutzgebiet besteht aus drei räumlich getrennten Teilgebieten (obere, mittlere und unterer Gipslöcher) und beheimatet eine immense Artenvielfalt. Dies erklärt sich unter anderem durch das Mikroklima, welches durch die zahlreichen Dolinen entsteht. In den Gipslöchern staut sich die kalte Luft, sodass klimatisch anspruchsvollere Pflanzen nur an deren Rändern wachsen können. Dazu zählen etwa der Zwerg-Wacholder und die Bewimperte Alpenrose. In der Tiefe der Gipslöcher sind kälteverträglichere Hochgebirgsarten zu Hause, wie etwa der Blaue Eisenhut oder die Alpen-Pestwurz. Gerade diese Gewächse brauchen viel Nitrat, welches sich ebenfalls in den Löchern durch eingeschwemmtes Pflanzenmaterial sammelt.

Auf den unzugänglichen Wiesenflächen, die nicht bewirtschaftet werden, finden sich zur Hauptblütezeit von Juni bis Mitte August zudem an die 20 verschiedene Orchideenarten. Aber auch das charakteristische Gipskraut (Nelkengewächs), das blaublühende Alpen-Leinkraut und die Silberwurz gedeihen hier. Während der Schnee in den Gipslöchern teilweise bis zum Frühsommer liegen bleibt, wird dieser von den Graten und Flanken durch Windböen abgetragen. Dadurch verlängert sich an diesen exponierten Stellen die Vegetationszeit. In dieser „Kampfregion“ können robuste Bäume wie Latsche und Grün-Erle Fuß fassen. Allerdings weisen sie sogenannten Krüppelwuchs auf, eine Anpassungserscheinung an Schneedruck und Wind, und werden bei weitem nicht so groß wie an weniger rauen Standorten.

Durch zahlreiche Infotafeln entlang des Weges können Interessierte alles Wissenswerte über dieses besondere Fleckchen Natur erfahren. Auf schmalen Pfaden lässt sich das Gebiet in alle Himmelsrichtungen erkunden. Wer seinen Rundgang abgeschlossen hat, folgt den Wegweisern über eine ausladende Blumenwiese zurück nach Oberlech. Dort hat man die Möglichkeit, die Gondel in Richtung Tal zu besteigen. Oder man wandert gemütlich durch den Burgwald oder das Rudtobel und die Rudalpe retour nach Lech.

Große Sterndolde

Die Große Sterndolde ist in den Alpen häufig anzutreffen und wächst bis auf einer Höhe von 2000 Metern. Ihr botanischer Name Astrantia Major setzt sich aus den griechischen Wörtern für Stern (aster) und Blüte (anthos) zusammen. Im Volksmund trägt das Gewächs auch weniger anmutige Namen wie „Strenze“. Als Standort bevorzugt die Sterndolde feuchte, kalkhaltige Lehmböden, Bergwiesen oder Bergwälder. Wegen ihrer hübschen Blüten wird die Pflanze auch im Gartenbau genutzt. Der Schweizer Dichter und Naturforscher Albrecht Haller (1708-1777) beschreibt die Blume sogar in einem seiner Werke: „Dort wirft ein glänzend Blatt, in Finger ausgekerbt, auf einen hellen Bach den grünen Widerschein. Der Blumen zarter Schnee, den matter Purpur färbt, schließt ein gestreifter Stern in weißen Strahlen ein.“

Rubina Bergauer
Rubina Bergauer
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