29.07.2021 17:00 |

Festspiele Erl

Ein Konzert mit Kammermusik im intimen Rahmen

Zur Eröffnung des neuen „Kleinen Saals“ wurden die Komponisten Arnold Schönberg und Anton Webern als junge, aufstrebende Komponisten des 20. Jahrhunderts einem Richard Strauss am Ende seines künstlerischen Weges gegenübergestellt. In diesem Sinne konnte man im Festspielhaus Erl an diesem Abend einen intimen und durch das Spiel von Mariko Hara-Haselsteiner dazu noch einen fast schon familiären Abend mit wunderbarer Kammermusik erleben.

Mit einem Kammermusikkonzert im „intimen“ Rahmen vor rund 100 Zuhören wurde vergangenen Montag der „Kleine Saal“ im ersten Stock des Festspielhauses Erl eingeweiht. Diese, laut Festspiel-Präsident Hans Peter Haselsteiner, „kleine, multifunktionale Örtlichkeit für Kammermusik und Specials“ kann mit einer überraschend perfekten Akustik überzeugen, welche dem Streichensemble, das für das Eröffnungskonzert verantwortlich zeigte, sehr zugutekam. Bei diesem agierten an der Violine Johannes Fleischmann und Antonia Rankersberger und am Cello Sebastian Bru mit Andreas Brantelid. Die Viola spielten Razvan Popovici und Mariko Hara-Haselsteiner.

Freude eines Schwiegervaters
Die 37-jährige Mariko Hara-Haselsteiner ist die Schwiegertochter des Festspiel-Präsidenten Hans Peter Haselsteiner, welcher dazu launig erklärte: „Ich bitte mich vom Vorwurf des Nepotismus freizusprechen, da der Intendant meine Schwiegertochter einlud und dies zwischen ihm und mir nicht abgesprochen war. Das tut aber meinem Stolz keinen Abbruch und ich freue mich sehr, dass Mariko und ihr Ensemble heute hier zur Eröffnung spielen.“

Und dieser Stolz des Präsidenten war berechtigt, was der Schlussapplaus nach einer Stunde an dargebrachter Musik von Strauss, Webern und Schönberg bekräftigte. Um das Werk „Verklärte Nacht“ von Arnold Schönberg, dem die gleichnamige Dichtung Richard Dehmels zugrunde liegt, reihten sich mit dem Sextett aus der Oper „Capriccio“ von Richard Strauss und dem „Langsamen Satz“ von Anton Webern zwei bedeutende Kammermusikwerke der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die doch alle als eine Reminiszenz an Johannes Brahms gesehen werden können.

Von Strauss zu Webern
1942 in einem wegen der Bombenangriffe verdunkelten München erfuhr Richard Strauss’ Oper „Capriccio“ ihre Uraufführung. Dieses vermeintlich harmlose, letzte große Bühnenwerk von Strauss ist bis heute ein Streitfall. Das vom Streichensemble ausgewählte „Sextett“, die Ouvertüre zur Oper, wurde im „Kleinen Saal“ zu reiner Musik, welche kein Bild und keine Worte benötigte und zum Schließen der Augen aufforderte. Als zweites Werk wurde der 1905 komponierte „Langsame Satz“ des Schönberg-Schülers Anton Webern vorgetragen. Es ist ein Stück romantisch beseelter Musik, voller emotionaler Stärke. Die Streicher rund Mariko Hara Haselsteiner präsentierten ihn mit dichtem, warmem Klang und üppiger Dynamik.

Um das Verständnis von Arnold Schönbergs Komposition zu erleichtern, wurde Richard Dehmels Gedicht „Verklärte Nacht“, welches der gleichnamigen Komposition zugrunde liegt, von Burgschauspieler Robert Reinagl vorgetragen. Das Erler Streichsextett bewies dem Publikum daraufhin mit seinem grandiosen Spiel, dass Schönbergs „Verklärte Nacht“ zu Recht als ein Gipfel spätromantischer Entwicklung Anerkennung erhalten muss.

Gelungene Inbetriebnahme
Resümee: Nach dieser mehr als gelungenen „Inbetriebnahme“ einer neuen, angenehmen Spielörtlichkeit kann man sich auf weitere kleine, feine und intime Veranstaltungen in dieser freuen! 

Hubert Berger
Hubert Berger
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