LR Reheis empört

Tiroler Lebenshilfe ließ sich Geld von Familien schenken

Tirol
12.02.2011 15:45
Nachdem bekannt geworden ist, dass die Staatsanwaltschaft bei der Lebenshilfe Tirol wegen Betrugsverdachtes ermittelt, meldeten sich nun weitere Betroffene zu Wort. So fühlten sich drei Familien dazu genötigt, um die Betreuung für ihre drei behinderten Kinder weiterhin gewährleisten zu können, Vermögensüberschreibungen an die Lebenshilfe vorzunehmen. "Abstoßend", sagt Landesrat Reheis.

Es war Mitte der 90er-Jahre, als sich drei Familien darum bemühten, die Betreuung ihrer drei behinderten Kinder durch die Lebenshilfe Tirol auch für die Zukunft zu sichern. Damals wurde ihnen aber mitgeteilt, dass man zwar das Personal für eine weitere Betreuung, aber nicht die passenden Räumlichkeiten dazu hätte.

Schließlich wurde von den Familien die Idee geboren, dass man – gemeinsam für die drei Kinder – eine Wohnung ankauft, in der sie künftig betreut werden können. In der Folge wollten die drei Familien dann eine Wohnung um 1,3 Millionen Schilling ankaufen. Doch so weit kam es gar nicht! Grund: Laut Auskunft der Betroffenen gab es dazu einen Vorschlag seitens der Lebenshilfe. Einen Vorschlag, den nicht nur die Betroffenen heute in die Kategorie Nötigung einstufen.

1,3 Millionen Euro verschenkt
Der "Vorschlag" sah nämlich so aus, dass die Eltern das Geld zuerst ihren behinderten Kindern schenkten – und diese mussten das Geld (1,3 Millionen Schilling) an die Lebenshilfe weiterschenken! Mit dem Geld wurde schließlich die besagte Wohnung angekauft.

Doch es kommt noch dicker: Mittels Vertrag wurde vereinbart, dass die Kinder in der – mit dem Geld der Eltern gekauften Wohnung – ein lebenslanges Wohnrecht haben. Und nach einem bestimmten Zeitraum geht die Liegenschaft in den Besitz der Lebenshilfe über. Außerdem wurden die Eltern dazu verpflichtet, die Betriebskosten, sämtliche anfallenden Kosten und Gebühren für die (Notar-)Verträge sowie die Schenkungssteuer zu übernehmen.

"Schockierende und abstoßende Praktiken"
Die "Krone" konfrontierte den zuständigen Soziallandesrat Gerhard Reheis von der SP mit den Verträgen. "Das ist moralisch höchst bedenklich, das sind schockierende und abstoßende Praktiken. Würde die Staatsanwaltschaft nicht ohnedies schon ermitteln, dann müsste man sie spätestens jetzt anrufen", erklärte Reheis nach Durchsicht der Verträge. Er schließt daraus, dass man seitens der Lebenshilfe den Betroffenen suggeriert habe, dass für die Kinder nur dann eine gute Betreuung gewährleistet wäre, wenn sie die Verträge auch unterzeichnen würden. "Das muss dringend aufgeklärt werden", sagte Reheis.

Wenn man nun auch noch bedenkt, dass sämtliche von der Lebenshilfe erbrachten Leistungen vom Land bezahlt werden, erscheint die Vorgehensweise, so Reheis, noch erschütternder. Er hofft hier vor allem auf die neue Lebenshilfe-Führung – und ist guter Dinge. Außerdem stellt er sich voll hinter die Mitarbeiter der Lebenshilfe: "Die haben immer eine hervorragende Arbeit geleistet!"

von Markus Gassler, Tiroler Krone

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