Im Rahmen der „Operation Ancora“ wurde das in Österreich bis jetzt größte Schlepper-Netzwerk ausgeforscht. Mehr als 100.000 Migranten dürften über diese Organisationen über die Balkanroute geschleust worden sein. Mehr als 130 Verdächtige wurden festgenommen.
Einer Schlepper-Organisation noch nie dagewesenen Ausmaßes konnte die steirische Polizei das Handwerk legen. Federführend war die Polizeiinspektion Spielfeld, welche vom Bundeskriminalamt, mehreren Landeskriminalämtern und Europol unterstützt wurde. Das wurde am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz in der Landespolizeidirektion Steiermark unter Beisein von Innenminister Gerhard Karner bekannt gegeben.
Schüsse auf flüchtenden Schlepper
Ausgangspunkt war eine Schwerpunktaktion der steirischen Fremdenpolizei im Grenzraum zu Slowenien im Dezember 2023. Bei einer Kontrolle kam es zu einer äußerst riskanten Flucht eines Schlepperfahrzeuges, wobei der Lenker sogar eine Straßensperre durchbrach. Zunächst konnten nicht einmal von der Polizei abgegebene Schüsse das Fahrzeug stoppen. Kurz darauf verunfallte der flüchtende Wagen jedoch auf der glatten Fahrbahn. Die Beamten entdeckten acht geschleppte Personen aus Syrien im Transportraum. Dem Schlepper gelang die Flucht.
Dreh- und Angelpunkt war ein Handyshop in Wien-Ottakring. Ein Jahr später, im Mai, erfolgten Zugriffe und zahlreiche Hausdurchsuchungen, dabei wurden Waffen und Suchtmittel sichergestellt. Sechs Hauptverdächtige zwischen 20 und 50 Jahren aus Syrien, Afghanistan und der Russischen Föderation befinden sich nun in Untersuchungshaft in Wien.
Auch Datenträger wurden sichergestellt. Diese beinhalteten Informationen über das Geldsystem, mit dem die Schlepper arbeiteten – dem sogenannten „Hawala-System“. Transaktionen erfolgen direkt über Vermittler, die mit anderen Vermittlern in Kontakt stehen. Der Zahlende gibt einem Vermittler im Herkunftsland Geld und erhält umgekehrt einen Code. Nennt der Empfänger diesen Code, erhält er den Betrag von einem mitwissenden Vermittler.
Mehr als hunderttausend Flüchtlinge geschleppt
Laut aktuellen Erkenntnissen der Polizei soll die Gruppierung von 2023 bis 2025 Schleppungen entlang der Balkan-Route organisiert haben – von der Türkei aus über Bulgarien, Griechenland, Serbien, Rumänien, Ungarn bis nach Österreich und zum Teil weiter bis nach Deutschland. Pro geschleppter Person sollen Beträge zwischen 10.000 und 20.000 Euro illegal eingenommen worden sein. Grob geschätzt könnten die Einnahmen somit bei rund einer Milliarde Euro liegen.
Es muss unser gemeinsamer Ansatz sein, der brutalen und menschenverachtenden Schlepper-Mafia die Geschäftsgrundlage zu entziehen.
Innenminister Gerhard Karner
Doch wie war das Netzwerk aufgebaut? Eine hierarschische Struktur ist wahrscheinlich, jedoch dürfte jede Organisationseinheit für sich agiert haben. Jede Einheit dürfte aus zwei Chefs bestanden haben, einem Finanzverantwortlichen und mehreren Fahrern, die über Social Media rekrutiert worden sein dürften. Ein syrischer Clan mit dem Namen „Als-Sarawi“ dürfte die Geldflüsse, Gebiets-Zuständigkeiten und Informationsflüsse koordiniert haben.
Tödliche Schlepperfahrt in Kroatien
Bis jetzt wurden mehr als 130 Verdächtige festgenommen, rund 150 Vernehmungen durchgeführt und mehrere Terabyte Daten ausgewertet. Mehr als 1000 illegale Schlepperfahrzeuge wurden identifiziert. Mehr als 100.000 Migranten dürften so über die Grenzen geschleust worden sein. Besonders bitter: Eine Schlepperfahrt dieser Organisation in Kroatien endete tödlich, drei Menschen verloren dabei ihr Leben. Der Ermittlungsakt zur „Operation Ancora“ umfasst bereits rund 14.000 Seiten. Mehr als 130 Personen befinden sich in Haft, sie sind zum Teil geständig.
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