Werben um Jugend

Wo es schon mehr Impfstoff als Impfwillige gibt

Österreich
29.06.2021 13:34

Was vor ein paar Wochen viele nicht glauben wollte, die mehr oder weniger verzweifelt versuchten, einen Stich zu ergattern, scheint Realität: Corona-Impfstoff ist genug vorhanden, die Zahl derjenigen, die sich immunisieren lassen wollen, sinkt offenbar zumindest in manchen Regionen. Einige Bundesländer haben sich damit offensiv auf die Suche nach Impfwilligen begeben, mitunter auf kreative Weise.

Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte am Montag diese Entwicklung angekündigt und vom „Eintritt in eine neue Phase der Impfkampagne“ gesprochen. Bisher sei die Impfstoffmenge begrenzt und somit die Nachfrage größer als das Angebot gewesen. Diese Situation werde sich jedoch innerhalb der nächsten Tage zu verändern beginnen.

Ein Überblick über die Lage in den Bundesländern:

In Wien richten sich Werbemaßnahmen in Sachen Immunisierung vor allem an die jüngere Generation: Vergangenes Wochenende erfolgte bereits der Auftakt zu den sogenannten Impfpartys im Austria Center. Wobei der Ablauf an sich auch für Jugendliche nicht anders ist. Sie durften den Parcours jedoch begleitet von Live-Musik absolvieren. Die 18- bis 30-Jährigen haben zudem nur einen Termin wahrzunehmen, da sie mit Johnson & Johnson geimpft werden. Kommendes Wochenende steigt die nächste Impf-Sause.

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Die Termine sind alle noch sehr gut gebucht.

Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ)

Auch für das Personal der Wiener Nachgastronomie wurden nun 10.000 Impftermine freigeschaltet, die ersten am kommenden Freitag. Die Mitarbeiter der Clubs erhalten ebenfalls das Vakzin von Johnson & Johnson. Sogar impfwillige Fußballfans kommen auf ihre Kosten, denn die EM-Spiele werden im Wartebereich übertragen. Dass es bald zu viel Impfstoff und zu wenig Impfwillige geben wird, zeichnet sich laut dem Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) zumindest derzeit noch nicht ab. Die Termine seien alle noch sehr gut gebucht, hieß es.

In Niederösterreich könne „bereits seit 10. Mai Jede und Jeder die persönlichen Impftermine buchen“, erinnerten LHStv. Stephan Pernkopf (ÖVP) und Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ). Aktuell seien 65,5 Prozent der Bevölkerung ab zwölf Jahren mit mindestens einer Dosis geimpft. „Allein heute und morgen werden jeweils rund 20.000 Impfungen verabreicht.“ Es gehe darum, „möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, die Corona-Schutzimpfung in Anspruch zu nehmen und impfen zu gehen“, betonten Pernkopf und Königsberger-Ludwig. „Das betrifft auch junge Menschen, deswegen setzen wir nun auch ganz gezielt auf Social-Media-Informationen und Spots.“

In Oberösterreich wird aktuell nicht proaktiv nach Impfwilligen gesucht, auch wenn bis Ende Juli noch 88.000 Termine für eine Erstimpfung unbesetzt sind. Laut Krisenstab des Landes sind bis dahin 153.000 Impftermine verfügbar. Gebucht wurden bisher allerdings erst 65.000, teilte er am Dienstag mit. Im Hinblick auf die sich ausbreitende Delta-Variante appelliert der Krisenstab aber „an alle, die sich impfen lassen möchten, das Angebot zu nutzen und auf ooe-impft.at ihren Termin zu buchen“.

Erstmals seit Beginn der Corona-Impfungen werden diese Woche im Bundesland Salzburg nicht alle vorhandenen Dosen gespritzt werden können, weil es zu wenige Anmeldungen gibt. Das Land wird deshalb neben der Werbung des Bundes auch eine eigene Werbekampagne starten, mit der vor allem Schüler, Studierende und andere Jugendliche angesprochen werden sollen, hieß es am Dienstag aus dem Büro von Gesundheitsreferent LHStv. Christian Stöckl (ÖVP). Entsprechend der Altersgruppe wird dabei neben Flugblättern in den Bildungseinrichtungen auf die sozialen Medien gesetzt.

Das Land Tirol erklärte auf APA-Anfrage, dass es mittlerweile ausreichend Impfstoff im Bundesland gebe und rührte ordentlich die Werbetrommel für den 4. Juli - jenen Tag, an dem allen impfbereiten Tirolern ohne Voranmeldung oder Vormerkung eine Erstimpfung angeboten werde. An diesem Tag werden alle Impfzentren des Landes ihre Türen für jene öffnen, die bis dahin noch keinen Impftermin erhalten haben. „Solange der Vorrat reicht“, hieß es seitens des Landes. Geimpft werde mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer, auf Wunsch auch mit Johnson & Johnson und AstraZeneca.

Alle Personen, die in Tirol dauerhaft wohnhaft oder beruflich tätig sind und bis dato noch keinen Impftermin über www.tirolimpft.at oder einem Arzt erhalten haben, sind aufgerufen, sich von 9 Uhr bis 18 Uhr impfen zu lassen.

Das Impfzentrum in Innsbruck (Bild: Hubert Rauth)
Das Impfzentrum in Innsbruck

In der Steiermark gestaltet sich die Suche nach Impfwilligen immer schwieriger, sagte Impf-Koordinator Michael Koren am Montag auf APA-Nachfrage. Man habe in den kommenden Wochen zusätzliche 70.000 Dosen vom Vakzin AstraZeneca, die noch nicht vergeben sind. 35.000 Menschen können damit noch voll immunisiert werden. 10.000 dieser Dosen will man Mitte Juli bei ausgewählten, großen Impfstraßen an bestimmten Tagen für spontane Impfwillige anbieten. Die restlichen 60.000 werden an interessierte, niedergelassene Ärzte verteilt, die diese Vakzine dann niederschwellig beim direkten Patientenkontakt anbieten und verimpfen können, sagte Koren.

In Kärnten ist seit dieser Woche mehr Impfstoff vorhanden, als es Anmeldungen gibt. Alle, die bis vergangene Woche auf der Impfplattform des Landes angemeldet waren, hätten einen ersten Termin bekommen, sagte Gerd Kurath vom Landespressedienst am Montag. Am Mittwoch startet daher eine Impfkampagne, um noch mehr Impfwillige zu einer Anmeldung zu bewegen. Geimpft wird bei 340 Impfärzten im Bundesland sowie über die Impfstraßen, 12.000 Dosen Impfstoff stehen diese Woche für die Impfstraßen zur Verfügung, dazu kommen mehr als 24.000 Dosen für den niedergelassenen Bereich.

Auch im Burgenland zeichne sich ab, dass es momentan mehr Impfstoff als Impfwillige gebe, hieß es auf APA-Anfrage vom Koordinationsstab Coronavirus. Das Land habe deshalb in der Vorwoche eine Social-Media-Kampagne gestartet, um verstärkt Jugendliche zur Impfung zu motivieren. Seither hätten sich immerhin 1.000 neu vorgemerkt. Bei der Vergabe der Impftermine werde auch nicht mehr nach Altersgruppen vorgegangen, stattdessen werden laut Koordinationsstab der Reihe nach alle zur Impfung eingeladen, die sich vorgemerkt haben.

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