Derzeit im Exil
Haiti: Diplomaten-Pass für ehemaligen Staatschef Aristide
Der in Miami ansässige Anwalt Ira Kurzban hatte sich kürzlich nach Haiti begeben und will in den kommenden Tagen erneut in die haitianische Haupstadt Port-au-Prince reisen. Angeblich soll das Dokument bereits in den nächsten Stunden ausgestellt werden.
Aristide noch immer sehr beliebt
Die haitianische Regierung hatte vergangene Woche gesagt, sie werde Aristides Wunsch nach einem Pass nachkommen. Der frühere Staatschef, der unter den Ärmsten im Land nach wie vor große Beliebtheit genießt, hatte Mitte Jänner seinen Willen zu einer Rückkehr aus dem südafrikanischen Exil bekundet. Er hatte medizinische Gründe angegeben und zudem erklärt, er wolle seinen Landsleuten "als einfacher Bürger im Bildungsbereich" helfen.
Mitte Jänner war bereits der frühere haitianische Diktator Duvalier alias "Baby Doc" nach 25 Jahren aus dem französischen Exil zurückgekehrt. Er hatte 1971 als 19-Jähriger die Macht von seinem Vater Francois - "Papa Doc" - übernommen und das Land bis 1986 mit harter Hand regiert. Aristide war unter Duvaliers Herrschaft in der Opposition.
Der frühere Priester Aristide wurde erstmals 1990 zum Präsidenten gewählt und acht Monate später bei einem Militärputsch gestürzt. 1994 kam er mithilfe einer US-Militärintervention wieder an die Macht und überließ diese 1996 dem heutigen Präsidenten René Préval. Im Jänner 2000 wurde Aristide erneut zum Staatschef gewählt, aber 2004 unter Androhung militärischer Gewalt sowie durch Druck aus dem Ausland - vor allem aus den USA und Frankreich - gestürzt.
Stichwahl um das Präsidentenamt
Derzeit durchlebt Haiti eine politische Krise. Nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl im November herrschte wochenlang Streit über das Ergebnis. Vor wenigen Tagen erst gab die Wahlkommission das offizielle Ergebnis bekannt, wonach sich die frühere First Lady Mirlande Manigat und der populäre Sänger Michel Martelly in der Stichwahl am 20. März gegenüberstehen. Der von der Regierung unterstützte Kandidat Jude Célestin war in der vergangenen Woche von der Wahlkommission ausgeschlossen worden, weil Beweise für Wahlbetrug vorlagen.
Aufgrund der Verzögerungen beim Wahlverfahren verlängerte der amtierende Präsident Préval seine Amtszeit, die ursprünglich am Montag auslaufen sollte, bis zum 14. Mai. Die USA und andere westliche Staaten stimmten der Verlängerung der Amtsperiode zu, um ein Machtvakuum in dem Land zu verhindern. Vor dem Präsidentenpalast in Port-au-Prince forderten rund 200 Demonstranten den Abtritt Prévals. Die Menge warf mit Steinen auf die Sicherheitskräfte, die Tränengas einsetzten, um die Protestierer auseinanderzutreiben.











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