20.06.2021 13:00 |

Bergrettungseinsätze

Viel zu oft mit wenig Hirn auf die Zugspitze

Von Grödeln bis zum Pickel sollten Bergsteiger derzeit alles dabei ha- ben, wenn sie die Zugspitze besteigen wollen. Die Bergrettung Ehrwald warnt eindringlich vor den Tücken wegen des vielen Altschnees.

Die ersten Einsätze im Bereich der spektakulären „Stopselzieherroute“ haben die Ehrwalder Bergretter heuer bereits hinter sich. Weil nach wie vor sehr viel Schnee liegt, steckten deutsche Alpinisten fest, auf bayrischer Seite gab es bereits eine Tote.

„Die Leute sind zum Teil vogelwild unterwegs“, sagt Regina Poberschnigg, Ortsstellenleiterin der BR in Ehrwald. „Die Route ist teilweise eisig, es liegt fauler Altschnee mit Einsinkgefahr, außerdem drohen immer noch Lawinen“, weiß Poberschnigg.

Die Tücken beginnen schon im Aufstieg zur Wiener-Neustädter Hütte. „Viele möchten den Schneefeldern ausweichen und geraten so in Absturzgelände. Versicherungen eines nicht mehr gewarteten Steigs aus den 1970er Jahren führen die Alpinisten überdies in die Irre, weil sie sich fälschlicherweise dorthin orientieren.“ Dann gebe es für einige keine Weg mehr nach oben und keinen mehr zurück nach unten – die alte Leier!

Weil die Seilsicherungen im oberen Bereich der „Stopselzieherroute“ vielfach nach wie vor unter dem Schnee versteckt liegen, hat die BR Ehrwald zuletzt 15 Schneestangen als Orientierungshilfen am Grat neu eingesetzt. So will man verhindern, dass die Bergsteiger direkt auf die bereits sichtbare Bergstation zusteuern und dann in Bergnot geraten. „Wenn einer einmal eine falsche Spur gelegt hat, folgen andere fast blind.“

Google sei derzeit übrigens ein schlechter Ratgeber. „Sobald die Leute hören, dass sie schon über der Hälfte und quasi gleich oben sind, steigen sie weiter auf. Dabei fällt die Gehzeit aktuell wegen des Schnees viel länger aus. Dann fährt die Bahn vielleicht nicht mehr, Übernachtungsmöglichkeit besteht heuer bis August keine“, warnt die Ehrwalderin eindringlich.

Die Bergrettungschefin bemängelt bei einigen Zugspitzaspiranten außerdem, dass sie zwar fit, jedoch ganz schlecht ausgerüstet auf „Ihren“ höchsten Berg möchten. „Muskeln haben sie ja, aber Hirn fehlt“, sagt sie wortgewaltig.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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