04.06.2021 08:25 |

Tiananmen-Massaker

Hongkong: Aktivistin wegen Gedenken festgenommen

In Hongkong wurde Freitagfrüh die bekannte Demokratie-Aktivistin und Juristin Chow Hang Tung vor ihrem Büro von vier Polizeibeamten in Zivil vorläufig festgenommen und in einer schwarzen Limousine weggebracht. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Polizeikreisen erfuhr, wird der Frau vorgeworfen, zu ungesetzlichen Versammlungen aufgerufen zu haben. Chow organisierte bisher jedes Jahr am 4. Juni eine Mahnwache zum Gedenken an die Opfer des Tiananmen-Massakers 1989.

Vor ihrer Festnahme hatte Chow in einem Interview angedeutet, sie werde sich am Freitag zum Victoria-Park in Hongkong begeben, wo die Tiananmen-Mahnwache für gewöhnlich stattfindet. Während in der Volksrepublik China ohnehin nicht öffentlich an die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung vor genau 32 Jahren erinnert werden darf, haben die Behörden in Hongkong das zweite Jahr in Folge die sonst jährliche Kerzenandacht verboten.

Am Mittwoch war auch ein Museum in Hongkong, dass an dieses dunkle Kapitel der chinesischen Geschichte erinnert, auf Druck der Behörden geschlossen worden. Sie hatten den Betreibern von der Demokratie-Allianz vorgeworfen, keine Betriebserlaubnis für das vor zehn Jahren eröffneten Museum zu besitzen. 

Wegen Teilnahme an Gedenkveranstaltung verurteilt
Im vergangenen Jahr hatten sich anlässlich des Jahrestages der Niederschlagung der studentischen Pro-Demokratie-Proteste Zehntausende Menschen in Hongkong dem Versammlungsverbot widersetzt. Mehrere Aktivisten wurden wegen ihrer Teilnahme verurteilt, darunter auch Joshua Wong, einer der bekanntesten Vertreter der Demokratie-Bewegung.

Bei dem Einsatz der Volksbefreiungsarmee gegen friedliche Demonstranten um den Platz des Himmlischen Friedens in Peking waren 1989 einige hundert Menschen ums Leben gekommen. Die genaue Zahl ist bis heute nicht bekannt. Tausende wurden verletzt und inhaftiert. Auch heute ist das Thema in China ein Tabu und wird von der Regierung totgeschwiegen.

„Mütter von Tiananmen“ fordern Aufarbeitung
Familien der Opfer verlangen eine gerechte Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels der chinesischen Geschichte. Die in dem Netzwerk der „Mütter von Tiananmen“ zusammengeschlossenen Angehörigen forderten in einem offenen Brief die Offenlegung der Wahrheit über das Massaker und Entschädigung.

Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, heißt es in dem Schreiben, das die Menschenrechtsorganisation Human Rights in China (HRiC) zum Jahrestag am Freitag veröffentlichte. „Aber 32 Jahre später sehen wir noch immer keinen offiziellen Versuch, die Informationen über das Blutbad zu entsiegeln und zu enthüllen“, so die Kritik in dem Brief. Das Massaker bleibe „ein Tabu für die Regierung“.

Matthias Fuchs
Matthias Fuchs
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