27.05.2021 06:55 |

Experten berichten

Holzbau: Die Situation bleibt weiter angespannt

Der Holzbau kämpft mit steigenden Preisen und Holzknappheit - zumindest in gewissen Bereichen. Zwei Holzbauer berichten über die aktuelle Situation und geben Prognosen für die Zukunft ab.

„Ja die Situation bereitet uns Kopfzerbrechen“, bringt es Siegfried Kohler, Gründer und Geschäftsführer des Holzbauunternehmens oa.sys in Alberschwende, auf den Punkt. Für aktuell anstehende Projekte bekomme er im Moment fast kein passendes Bauholz - und wenn, dann meist ohne verbindliche Zusage. Dass Projekte zu Vorjahrespreisen kalkuliert werden, das Holz aber erst kurzfristig eingekauft wird, ist im Holzbau, wo im Schnitt auf zwei, drei Jahre hinaus geplant wird, normal. In der derzeitigen Situation ist dieser Ablauf allerdings fatal: „In den vergangenen Monaten gab es bei manchen Produkten eine Preissteigerung von 100 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, so Kohler, der - wie viele andere Holzbau- und Zimmereibetriebe - von dieser Entwicklung regelrecht überrumpelt wurde: „Es gab keine Anzeichen dafür. Die großen, global tätigen Sägewerke hätten genug Holz, bekommen aber in China oder den USA einfach einen besseren Preis. Denen ist der kleinstrukturierte Holzbau egal.“

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In den vergangenen Monaten gab es bei manchen Produkten eine Preissteigerung von 100 Prozent im Vergleich zum Vorjahr

oa.sys-Gründer und Geschäftsführer Siegfried Kohler

Auch das in Dornbirn ansässige Unternehmen Fussenegger Holzbau leidet unter der aktuellen Situation: „Gerade im Bereich von Büro- und Industriebauten oder dem mehrgeschossigen Wohnbau können wir etwa auf Brettschichtholz nicht verzichten. Das aber bekommen wir momentan nicht“, so Geschäftsführer Florian Ottacher. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Architekten und Auftraggeber auf andere Baustoffe umsteigen. Langfristig könnten die gegenwärtigen Entwicklungen dem Holzbau also massiv schaden. Und das, obwohl dieser in den vergangenen Jahren auch aus Klimaschutzgründen bei öffentlichen Gebäuden, im Wohnbau und bei der städtischen Verdichtung forciert wurde - mit großer Unterstützung durch die Politik. Allein: „Während wir bei Einfamilienhäusern auf andere Konstruktionen und Hölzer von regionalen Sägern umstellen können, ist das im Industriebereich und im mehrgeschossigen Wohnbau nur bedingt möglich“, gibt Ottacher zu bedenken. Stellt sich die Frage: Was können heimische Holzbaubetriebe tun? Und vor allem: Wie sollen sie in der jetzigen Situation künftige Projekte planen? Lassen sich die Preise überhaupt kalkulieren? Weder Siegfried Kohler noch Florian Ottacher haben darauf eine klare Antwort. „Wir tun uns extrem schwer, neue Projekte für das nächste Jahr anzubieten“, gesteht Kohler, der mit oa.sys mittlerweile zu 80 Prozent auf dem deutschen Markt tätig ist, wo er freilich mit derselben Problematik zu kämpfen hat. In der gesamten DACH-Region sind Hölzer speziell für Industrie- und Großbauten knapp und die Preise entsprechend hoch.

Regionale Lösungen
Selbstverständlich kann man über regionale Lösungen nachdenken. Über kurz oder lang stößt man damit aber an Grenzen, wie auch Ottacher weiß: „Regional ist in unseren Wäldern genügend Holz vorhanden, jedoch fehlt es an entsprechender Sägekapazität und weiterverarbeitender Industrie. Und unsere im Land tätigen Sägewerke sind im Grunde schon jetzt am Anschlag. Früher hätten sie Luftsprünge gemacht, derzeit wissen sie nicht mehr, wo sie anfangen sollen.“

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Regional ist in unseren Wäldern genügend Holz vorhanden, jedoch fehlt es an entsprechender Sägekapazität und weiterverarbeitender Industrie.

Fussenegger Holzbau-Geschäftsführer Florian Ottacher

Dass sich die Situation in den kommenden Monaten entspannt, erwartet keiner der Holzbauer: „Ich glaube, wir werden noch das ganze Jahr über mit erhöhten Preisen und Holzknappheit zu kämpfen haben“, prognostiziert Kohler - er versucht daher bereits, Holz aus dem Baltikum und aus Weißrussland zu bekommen. Ottacher rechnet sogar damit, dass sich die Situation über den Sommer weiter zuspitzen wird: „Und wie es danach weitergeht, weiß niemand.“ Obwohl Regionalität ihre Grenzen hat, gibt es bei Fussenegger Holzbau Überlegungen, Projekte von Grund auf im Land abzuwickeln und eine regionale Lieferkette vom Forst über den Säger bis zum Holzbauer aufzuziehen. „Wir werden jedenfalls nicht tatenlos zuschauen", betont Florian Ottacher.

Christiane Mähr
Christiane Mähr
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