Unerfüllte Liebe, das Ablehnen der Konvention und Selbstzerstörung sind die Komponenten, die den Roman zum Bestseller machten. Vor allem die Jugend war vom Werther-Fieber befallen, fühlte sich verstanden. Das ging umso leichter, als Goethe mit seinem scheinbar dokumentarischen Briefroman Authentizität vorgaukelte.
Heute ist der Text ein wenig in die Ferne gerückt, doch Bastian Kraft gelingt es, ihn wieder ganz nah heranzuholen. Er erzählt die Geschichte als Rückblende. Mit Projektionen führt er Werther ein, zeigt ihn begeisterungsfähig und hoffnungsfroh, in der Liebe zu Lotte seine Erfüllung zu finden. Die ist zwar Albert versprochen, genießt aber die auf Konventionen pfeifende Verehrung Werthers. In ihre Welt lässt sie ihn dennoch nicht; eine Glaswand, auf der nur Schemen der Gemeinsamkeit gezeichnet werden, trennt ihr Leben von seinem.
Große Klarheit mit wenigen Mitteln
Ausstatter Peter Baur erzeugt da mit wenigen Mitteln eine große Klarheit. Bastian Kraft stehen für seine subtile Sektion drei hervorragende Darsteller zur Verfügung: Leon Ullrich verliert keine Sekunde an Glaubwürdigkeit und Intensität - von der himmelhochjauchzenden Verliebheit bis hin zur tiefen Resignation vor dem Suizid. Evi Kehrstephan als liebenswerte, die Konvention nie in Frage stellende Lotte und Gustav Koenigs als zurückhaltender, etwas steifer Albert sind ihm faszinierende Partner. Alle drei machen die kluge, dynamische Produktion zum Erlebnis. Nicht versäumen!
von Michaela Reichart, "Steirerkrone"
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