21.05.2021 14:20 |

Trotz Vorwürfen

BBC-Journalist Bashir „stolz“ auf Diana-Interview

Fast 26 Jahre nach seiner Ausstrahlung sorgt das legendäre BBC-Interview mit Prinzessin Diana immer noch für Wirbel. So ergab ein jüngster Bericht, den die BBC selbst veröffentlichte, dass sich der Journalist Martin Bashir, der das Interview geführt hatte, unlauterer Methoden bedient haben soll, um Kontakt zu Diana zu bekommen. Dianas Söhne, Prinz William und Prinz Harry, erhoben schwere Vorwürfe, Bashir selbst sagte allerdings am Freitag, er sei „stolz“, das Interview geführt zu haben. Diana bezeichnete er als Vorreiterin. 

„Diana war Vorreiterin bei so vielen Themen, und deshalb werde ich immer sehr stolz auf dieses Interview bleiben“, wird Bashir in der britischen Zeitung „Evening Standard“ zitiert. Laut dem Untersuchungsbericht soll Bashir Dianas Bruder Charles Spencer gefälschte Kontoauszüge vorgelegt haben, die beweisen sollten, dass Diana von Menschen in ihrem Umfeld bespitzelt werde. Spencer fädelte daraufhin ein Treffen zwischen dem Journalisten und Diana ein.

„Bedaure die Fälschung der Kontoauszüge“
Bashir dazu: „Ich entschuldigte mich damals und tue es auch jetzt wieder, weil ich um die Fälschung von Kontoauszügen bat. Etwas, was ich zutiefst bedaure. Aber ich halte mich absolut an die Beweise, die ich vor einem Vierteljahrhundert und vor Kurzem wieder geschildert habe.“ Das Interview hatte damals für Schlagzeilen rund um den Globus gesorgt. Diana machte nicht nur Charles‘ langjährige Affäre mit Camilla Parker-Powels öffentlich („Wir waren zu dritt in dieser Ehe - somit war es immer etwas überfüllt“), auch sprach sie über Essstörungen, postpartale Depressionen und ihre Konflikte mit dem Königshaus - Themen, die man im Buckingham-Palast eher gerne verschwiegen hätte ...

Dass Diana die Entscheidung zu dem Interview bzw. dessen Art und Weise sehr wohl bewusst traf, schrieb schon ihre Biografin Tina Brown in „Diana. Die Biografie“: „Diana wusste schon im Voraus, welche Themen im Interview angesprochen werden sollten und hatte ihre Antworten wochenlang geübt. Sie kümmerte sich für dieses Interview auch selbst um ihr Make-up, umrandete ihre Augen mit einem dunklen Eyeliner, was nicht ihren Gewohnheiten entsprach, und schminkte sich einen blassen Teint.“

Schwere Vorwürfe der Prinzen
Doch das Trauma vom Unfalltod Dianas sitzt in ihren Söhnen nach wie vor tief - Harry machte einmal mehr indirekt die Medien verantwortlich. „Der Welleneffekt einer Kultur der Ausbeutung und der unethischen Praktiken hat sie letztendlich das Leben gekostet“, so der Prinz in einer Mitteilung nach der Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse. Auch sein Bruder William schlägt in diese Kerbe. 

Das Interview habe einen „wesentlichen Beitrag“ geleistet, dass sich die Beziehung seiner Eltern verschlechtert habe, sagte William in ungewöhnlich deutlichen Worten am Donnerstagabend. „Es ist meine Ansicht, dass die betrügerische Weise, in der das Interview zustande kam, substanziell beeinflusst hat, was meine Mutter sagte“, so der 38-Jährige weiter. Das Versagen der BBC habe erheblich zu ihrer Angst, Paranoia und Isolierung beigetragen.

Justiz will Einsicht in Rohmaterial
Ob an den Vorwürfen der Prinzen etwas dran ist, will nun sogar die Justiz überprüfen. So soll den Behörden das ungeschnittene Material zur Verfügung gestellt werden, berichtete „Sky News“, nachdem der britische Justizminister Robert Buckland gesagt hatte, der Bericht werfe „einige ernsthafte Fragen auf“: „Ich denke, eine Entschuldigung ist ein Anfang, aber damit alleine wird es nicht getan sein.“ Die BBC hat bereits ein Transkript des Interviews veröffentlicht (hier abrufbar).

Das im Fernsehen zur besten Sendezeit ausgestrahlte Exklusiv-Gespräch lockte im November 1995 rund 23 Millionen Menschen in Großbritannien vor die Bildschirme. Die bereits von Prinz Charles getrennte, aber noch nicht geschiedene Diana beschrieb darin, wie sie sich in der medialen Dauerbeobachtung zuerst vom Königshaus alleine gelassen und dann nach der Trennung regelrecht sabotiert und gezielt in ihrem Ruf beschädigt fühlte - auch aus Neid auf ihre große Beliebtheit.

Michaela Braune
Michaela Braune
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