Tipps & Tricks

So unterstützen Sie aktuell unsere Vogelwelt

Naturnahe Gärten sind grüne Inseln in einer Welt des massiven Verlustes von Biodiversität. Sie bieten rare Rückzugsmöglichkeiten ehemaliger „Allerwelts-Vogelarten“, die inzwischen in arger Bedrängnis sind. Der Girlitz, von „BirdLife Österreich“ zum Vogel des Jahres 2021 gekürt, zählt zu jenen Vogelarten, die in Österreich am stärksten unter Bestandsrückgängen leiden: minus 80 Prozent! Wer ihn schützen will, muss seine Nahrungsversorgung in unseren Dörfern und Städten verbessern.

Denn Girlitz als der Garten- und Siedlungsvogel braucht nicht nur für sich selbst eine reiche Auswahl verschiedener Wildkräuter, auch seine Jungen füttert er mit einer Art „Babybrei“ aus zerquetschten Wildkräutersamen. Löwenzahn, Hirtentäschel, Vogelknöterich und Co. werden so zur überlebenswichtigen Mahlzeit für den Girlitznachwuchs!

Der Girlitz wird zunehmend vertrieben
„Girlitze finden in den zunehmend versiegelten und übertrieben ordentlichen Dorfrändern, in naturfernen Gärten und Parks mit kurzgemähter Rasenflächen und Beeten, aus denen jedes Beikraut entfernt wird, keine Nahrung für sich und ihre Vogeljungen“, erklärt Eva Karner-Ranner von der Vogelschutzorganisation „BirdLife Österreich“. Auch der gestiegene Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln und der Verlust von Brachflächen rauben ihm die Nahrungsgrundlage. Denn er benötigt niedrige und schütter bewachsene kräuterreiche Flächen zur Nahrungssuche.

Wichtige Nahrungspflanzen für den Girlitz sind bekannte Wildkräuter wie Löwenzahn, Hirtentäschel, Vogelmiere, Wegerich, Vogelknöterich, verschiedene Raukenarten, Gänsedistel, Kamille oder Wegwarte. Wer sie im Garten wachsen lässt, liefert den Girlitzeltern die Grundlage für den Nahrungsbrei für ihre hungrigen Jungen. Naturnaher Garten als Nahrungsparadies In jedem Garten kommen zumindest einige dieser sogenannten „Unkräuter“ auf. „Tritt man ihnen mit Toleranz gegenüber, wird der eigene Garten nicht nur zum Paradies für sich selbst, sondern auch für den kleinen Finken!“, weiß die Vogelschützerin.

Die Expertin rät: „Verwenden Sie Gittersteine mit Ritzenvegetation als Pflasterung anstelle völlig versiegelter Flächen und lassen Sie dort Wildkräuter wachsen. Erlauben Sie im Blütenrasen Löwenzahn, Wegerich und Co. zur Reife zu kommen. Legen Sie Wildblumenbeete an und lassen Sie ganz bewusst in einer Wilden Ecke die Pflanzen wachsen, die von selbst aufkommen. So sichern Sie das Überleben unseres Jahresvogels!“

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Muss man Vögel aktuell füttern, da während der Brutsaison so schlechtes Wetter herrscht?

fragt eine "Krone Tierecke"-Leserin

Die Expertin: „Sinnvoll ist Fütterung allenfalls früh in der Brutsaison, wenn es späte, längere Schlechtwettereinbrüche mit Schneefall und längerer Schneedecke bis in die Niederungen gibt.“ Dann kann man tatsächlich Insektenfresser, die Kurzstreckenzieher sind und schon im März oder April zurückkehren oder durchziehen, unterstützen. Bei längeren Regenperioden leiden vor allem Fluginsektenjäger wie Schwalben, die man nur schwer bis gar nicht füttern kann. Auch Kohl- und Blaumeise können bei anhaltenden, längeren Regenperioden während der Nestlingszeit Probleme bekommen, eine Zufütterung mit Insekten (jedoch keinen getrockneten) kann hier unter Umständen helfen.

Vorsicht für falschem Futter!
Jedoch sind auch die Gefahren durch falsches Futter hoch, da nachgewiesen wurde, dass Menschen immer wieder auch falsches Futter an die Jungvögel verfüttern, dass diesen schadet oder an dem sie sogar sterben können. Auch die Eiproduktion kann durch falsches Futter leiden. Und selbst Mehlwürmer als alleiniges Jungenfutter sind für die Jungen ebenfalls gar nicht geeignet - ein zuverlässiger Garant für den Bruterfolg sind sie also auch nicht!

Naturnaher Garten ist die beste Unterstützung
Prinzipiell ist es viel wichtiger, dass unsere Gartenvögel natürliches Futter in reichem Ausmaß vorfinden. Man sollte also durch naturnahe Gartengestaltung den Insektenreichtum im Garten fördern und auch Wildkräuter und heimische Gehölze wachsen lassen und pflanzen. Diese Maßnahmen bringen für die Vogelwelt und auch für andere Tiere im Garten wirklich nachhaltig etwas!

Falls jemand füttern will, dann schadet er in der Regel den Vögeln nicht, aber man muss die wichtigsten Grundregeln beachten:

  • Man sollte jedenfalls besonders auf Hygiene achten (nur geschlossene Futtergeräte wie Silofutterhaus oder Futtersäule verwenden, nicht zu viel Futter auf einmal füttern) und die Futterstelle laufend beobachten.
  • Bei Beobachtung von krank wirkenden Vögeln die Fütterung sofort einstellen und die Futterstelle entfernen.
  • Auch sollte man keinesfalls Fettfutter verfüttern, auch keine Nüsse und nach Möglichkeit auch keine Sonnenblumenkerne, sondern kleine, fettärmere Sämereien. Auch getrocknete Insekten wie Mehlwürmer sollte man nicht verfüttern, sondern stattdessen lebende oder frisch aufgetaute gefrorene Mehlwürmer oder andere Futterinsekten.
 Tierecke
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Freitag, 15. Oktober 2021
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