19.05.2021 05:55 |

Österreich öffnet

150.000 Menschen endlich wieder in Arbeit

Mit den heutigen Öffnungsschritten entspannt sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt: „Wir gehen davon aus, dass 150.000 Personen wieder einer normalen Beschäftigung nachgehen können - im Tourismus, in der Gastronomie, Kultur und Kunst und im Bereich der Sportveranstaltungen“, sagt Arbeitsminister Martin Kocher.

Erwartet wird, dass die Jobs nicht alle sofort, aber „in den nächsten Wochen“ entstehen werden, so Kocher. Von den rund 150.000 Stellen entfallen 130.000 auf Personen, die von der Kurzarbeit in eine volle Beschäftigung zurückkehren. Weitere 20.000 entfallen auf Arbeitslose, die Jobs finden. Mit Stand Dienstag waren österreichweit circa 334.000 Menschen arbeitslos gemeldet, um 6000 weniger als eine Woche zuvor. Die Zahl derjenigen, die eine AMS-Schulung machen, blieb mit 77.000 gleich. Zudem sind noch 320.000 Personen zur Kurzarbeit vorangemeldet. Kocher erwartet, dass die Zahl der von Kurzarbeit Betroffenen im Laufe des Sommers auf rund 100.000 sinkt.

Über den erwarteten Aufschwung freut sich auch Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP): „Wir erwarten, dass wir bis Ende des Sommers das wirtschaftliche Niveau von vor der Krise erreichen!“ Bis dahin dürften unsere Betriebe 20 Milliarden Euro an zusätzlicher Wertschöpfung erwirtschaften. Aktuell liegen Beherbergung und Gastronomie beim Umsatz um 80 Prozent unter 2019. Die Lücke soll sich bis Ende Juli fast gänzlich schließen.

Viele Testwege zum Wirt
Morgens im Burgenland testen, mittags in einem Wiener Lokal essen, nachmittags Kaffee beim Bäcker in Niederösterreich trinken, später feiern beim Wirt in der Steiermark? Das macht die heutige Öffnung mit den „3-G“-Nachweisen (getestet, geimpft, genesen) wieder möglich. Keine Sorge, wenn Sie nur schnell „selbstgetestet“ sind: Offiziell eingemeldete Selbsttests gelten österreichweit für maximal 24 Stunden.

„Wir wollten, dass Testen schnell, niederschwellig, einfach möglich ist“, so die Generaldirektorin für öffentliche Gesundheit, Katharina Reich. Also obliegt das Thema den Bundesländern. „Österreichweit einheitlich hätte zu lange gedauert“, meint Reich. So wurde das Modell von Vorarlberg zum Vorbild für den Rest. Wobei der Nutzer Unterschiede wohl kaum bemerkt. Wichtiger ist, wie der „Wohnzimmertest“ gültig wird. Die Tests gibt es wie gehabt in den Apotheken, kostenlos fünf Stück pro Person und Monat - das Angebot soll bald ausgeweitet werden -, und jetzt eben mit QR-Codes. Der Test wird wie gewohnt durchgeführt, dann muss er im Internet auf der jeweiligen Bundesland-Plattform registriert werden - per Foto und Code. Das Ergebnis gibt es über die Webseite bzw. das Handy. Wer es lieber (auch) analog hat, kann einen Selbsttest unter Aufsicht in einer Teststraße machen - oder eben gleich dort das Profi-Angebot nutzen. Analog und digital geht übrigens auch bei geimpft bzw. genesen - hier reicht sogar ein Handyfoto vom jeweiligen Nachweis. Einen Ausweis sollte man jedenfalls immer dabei haben, denn die Betreiber dürfen ja Identitäten kontrollieren.

Vor-Ort-Test als „gewaltige Erleichterung“
Neu sind auch Vor-Ort-Tests beim Wirt und Co.: Diese müssen unter Aufsicht der Betreiber erfolgen und gelten nur für den einmaligen Zutritt. Darüber freuen sich Friseur-Bundesinnungsmeister-Stv. Bernhard Krenn und Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec besonders: „Das haben wir in Kooperation hart erkämpft.“ Seitens der Friseure ist es „eine gewaltige Erleichterung“ für spontane Kunden, der Seniorenbund sieht es gerade für ältere, nicht so mobile Personen als Vorteil.

„Wem das zu kompliziert ist, der soll zu lassen“
Selbsttest 24 Stunden, Antigen-Tests 48 Stunden, PCR-Tests 72 Stunden, Impfung zwischen drei und neun Monate. Und wann ist ein Nachweis echt, wann schummelt der Gast? Im Vorfeld der Öffnung fürchten einige Gastronomen Chaos bei der Kontrolle. Branchensprecher Mario Pulker sieht es gelassen: „Wem das zu kompliziert ist, der soll zu lassen.“ Er versteht die Aufregung nicht: „Die Alternative wäre eine Öffnung erst im Juli.“ Bis 30. Juni laufen für Betriebe, die nicht aufsperren können oder wollen, noch die Wirtschaftshilfen. Und was, wenn die Gäste in großen Scharen auf den Vor-Ort-Test setzen? „Bei unseren Reservierungen merken wir, dass die Mehrheit vorab testen geht. Vor allem im städtischen Bereich gibt es ja genügend Möglichkeiten.“ Die Tests in den Betrieben sollten die Ausnahme sein. Pulker: „Wenn ein Gast im ärgsten Mittagsgeschäft ungetestet kommt, kann es sein, dass man ihn wieder wegschicken muss, weil einfach keine Zeit für eine Kontrolle ist.“

Teresa Spari
Teresa Spari
Silvia Schober
Silvia Schober
Manfred Schumi
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