06.05.2021 10:33 |

Geboren, um zu sterben

Südafrika will private Löwenzucht stoppen

Löwen gelten als bedrohte Tierart. In Südafrika - dem weltweit größten Exporteur von Löwentrophäen - nähren sie jedoch eine millionenschwere Industrie. Denn am Kap werden Tausende Löwen in Gehegen privat aufgezogen, um sie später Jägern aus Europa, den USA und anderen Weltregionen vor die Flinte zu treiben. Damit soll künftig Schluss sein.

Weiches, braunes Fell, spitze Zähnchen: Das mehrere Wochen alte Löwenbaby strampelt im Arm der Touristin, die sich auf einer Farm unweit der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria lächelnd mit dem niedlichen Tier ablichten lässt. „Kuschel-Selfies“, nennen das die Tierschützer der Humane Society International-Africa (HSI-Africa). Szenen wie diese waren vor den Corona-Restriktionen und ihren Folgen für den Tourismus am Kap an der Tagesordnung. Sie sind aber nur eine Facette des millionenschweren Geschäfts rund um die private Löwenaufzucht am Kap. Denn vor allem geht es um die Jagd in privaten Gehegen.

„Löwen aus der Dose“ für die Trophäenjäger
„Canned lion hunt“ heißt die quasi touristische Jagd auf „Löwen aus der Dose“ in Südafrika. Doch damit soll künftig Schluss sein, geht es nach dem Willen von Umweltministerin Barbara Creecy. Sie will die umstrittene Zucht von Löwen in Gefangenschaft ausbremsen und hat dafür am Wochenende umfangreiche Empfehlungen vorgelegt. Darin wirft sie auch die ethische Frage auf, was der Abschuss eines aufgezogenen Löwen in einem eingezäunten Terrain mit echter Jagd zu tun hat. „Das Verhindern der Jagd auf Löwen in Gefangenschaft ist auch im Interesse der echten Wildtier-Jagdindustrie“, meint sie daher und betont, dass sich ihre Empfehlungen nicht gegen die Jagdindustrie richten.

„Die Regierung hat endlich Empfehlungen angenommen, um die abscheuliche Löwenzucht für die Gatterjagd zu beenden; Löwen müssen zukünftig nicht mehr unter schrecklichen Bedingungen für ein Selfie oder eine Trophäe leiden“, jubelt Audrey Delsink von der HSI-Afrika. Obwohl es bisher nur Empfehlungen sind, spricht sie bereits von einem großen Erfolg für die südafrikanischen Löwen. Nach ihren Schätzungen werden in Südafrika landesweit knapp 11.000 in Gefangenschaft gezüchtete Löwen auf über 260 Löwenfarmen gehalten.

Schlussstrich für Exportschlager
Anlass zum Jubeln sieht auch der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW). In einer Erklärung sprach IFAW-Landesdirektor Neil Greenwood von „einem der schlimmsten Tierwohl-Missbrauchsfälle der Neuzeit“ und betonte: „Es brauchte mehr als 20 Jahre Lobby-Arbeit und den grausamen Tod Tausender Löwen aus rein kommerzieller Gier heraus, bis Südafrikas Regierung schließlich einen Schlussstrich zieht.“

Eine HSI-Analyse der Handelsdaten von Säugetierarten, die in dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) gelistet sind, ergab, dass von 2014 bis 2018 insgesamt 4176 Löwentrophäen aus Südafrika exportiert wurden. In der EU gilt Deutschland als eines der Hauptimportländer für Löwentrophäen aus Südafrika. Nach US-Amerikanern und Spaniern stellen Deutsche laut der Tierschutzorganisation Pro Wildlife zahlenmäßig die stärkste Gruppe der Großwildjäger.

Für 20.000 Euro läuft der Löwe vor die Flinte
Jäger aus Deutschland haben 2020 laut einer Anfrage aus dem deutschen Parlament ans Bundesumweltministerium Hunderte im Washingtoner Artenschutzübereinkommen gelistete Tiere als Trophäen mitgebracht - darunter 14 Löwen. Um die 20.000 Euro kostet der Abschuss so eines Tieres am Kap laut den Angaben privater Anbieter - eine dreiwöchige Jagdreise kommt so schnell auf Summen von bis zu 100.000 Euro.

Südafrikas umstrittene Löwen-Zuchtindustrie argumentiert, die Trophäenjagd rette bestimmte Arten vor dem Aussterben - eine ähnliche Argumentation, die auch in Nachbarländern wie Botswana oder Simbabwe die wieder aufgenommene Elefantenjagd rechtfertigen soll. Auch Umweltministerin Creecy hält gut regulierte Trophäenjagdprogramme für einen wichtigen Beitrag zum Wildtier-Schutz und zur existenziellen Absicherung der örtlichen Bevölkerung. Doch wie viel Geld aus der Trophäenjagd wirklich bei den Einheimischen ankommt, ist umstritten.

Schmuggel könnte steigen
Tierschützer sehen noch ein anderes Problem. Während das Washingtoner Artenschutzübereinkommen den Handel mit Knochen wilder Löwen verbietet, dürfen aus Südafrika die von in Gefangenschaft lebenden Löwen exportiert werden. Da aber Unterscheidungen von Körperteilen wilder und in Gefangenschaft gehaltener Löwen kaum möglich sind, fördert das aus ihrer Sicht den Schmuggel mit Knochen von Löwen aus freier Wildbahn.

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