30.04.2021 09:00 |

Ärzte wollen raus

Chaos bei Impfstoff-Verteilung hat Nebenwirkungen

Das Land Tirol hat die Aufteilung von Vakzinen zwischen Impfzentren und niedergelassenen Ärzten offenbar (noch) nicht im Griff. Wie berichtet, gingen diese Woche die niedergelassenen Ärzte einmal mehr leer aus. Das bleibt nicht ohne Folgen. Das Chaos lässt viele Mediziner an einen Ausstieg aus „Tirol impft“ denken. Vorarlberg zeigt, wie es besser gehen kann.

Jedes Bundesland kocht sein eigenes Süppchen. Das gilt auch für die Organisation der Covid-Schutzimpfung. Tirol setzt auf Impfzentren - von denen es bald zehn geben soll - und auf die Dienste von 600 niedergelassenen Ärzten. Wie berichtet, staut es sich dort aber gehörig. Einmal mehr hat das Land den Medizinern diese Woche keine Vakzine zugeteilt. Das hat Nebenwirkungen, wie Ärzte berichten:

  • Obwohl noch Risikopatienten und betagte Personen beim Hausarzt auf eine Impfung warten, werden in den Zentren schon jüngere Impfwillige eingeladen.
  • Ärzte werden nicht über den Impfstatus von Personen informiert. Das führt zu Mehraufwand und Doppelgleisigkeiten.
  • Impfstoff-Bestellungen von Medizinern verschwinden aus dem System (Beispiele dazu sind der „Krone“ bekannt).

Empfehlung, doch lieber ins Zentrum zu gehen
Mittlerweile überlegen viele Ärzte, aus „Tirol impft“ auszusteigen. Einzelne haben es bereits getan. „Ich bin so weit, dass ich meinen Patienten rate, sich lieber beim Impfzentrum anzumelden, weil ich ihnen nicht sagen kann, wann ich wieder Impfstoff bekomme“, schildert eine Landärztin. Mehr als 500 Impfwillige sind bei ihr angemeldet. Insgesamt hat sich bisher jede zweite Impfwillige bei einem niedergelassenen Arzt angemeldet.

„Den Preis zahlen die Patientinnen und Patienten“
Mehr oder weniger offen sprechen Ärzte von einer Überforderung des Landes mit der Impfstoff-Logistik. So sieht es auch Andrea Haselwanter-Schneider von der Liste Fritz: „Die Verteilung zwischen Zentren und Ärzten funktioniert nicht. Den Preis dafür zahlen die Patientinnen und Patienten.“ Die Landtagsabgeordnete spricht ebenfalls von unerwünschten Nebenwirkungen: „So passiert es, dass im Zentralraum deutlich jüngere Menschen geimpft werden und in den Tälern über 60-Jährige noch immer warten müssen.“ Auch die FPÖ sieht bei der Impfstoff-Verteilung ein Versagen beim Land.

In Vorarlberg sind nicht alle sofort dabei
In Vorarlberg hat man das mögliche Logistik-Problem offenbar rechtzeitig erkannt. Dort wurden vorerst nur fünf Landarzt-Praxen ins Impf-Management einbezogen. „Eine Ausrollung auf alle Ordinationen ist erst geplant, wenn ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht und der Zeitfaktor der Impfungen nicht mehr so entscheidend ist“, heißt es. Eine durchaus kluge Überlegung.

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