29.04.2021 17:24 |

Schock in Potsdam

4 Heimbewohner getötet: Ehemann rief die Polizei

Deutschland steht nach dem Vierfachmord in einer Einrichtung für schwer behinderte Menschen in Potsdam unter Schock. Am späten Mittwochabend waren die Leichen von vier Bewohnern aufgefunden worden, eine Frau Mitte 40 war schwer verletzt. Eine 51-jährige Mitarbeiterin der Klinik - deren Teil das betroffene Wohnheim ist - wurde festgenommen. Die Verdächtige wird in eine Psychiatrie eingewiesen, hieß es am Donnerstagnachmittag. Ihr Ehemann hatte die Polizei alarmiert.

Wie die „Bild“ berichtete, habe der Ehemann der Verdächtigen, eine Pflegehelferin, die Polizei gerufen. Die 51-Jährige sei nach den Bluttaten nach Hause gefahren und habe ihrem Mann davon berichtet, dass sie ihren Opfern die Kehlen durchgeschnitten habe. Sofort seien Polizisten zur Oberlinklinik und Ermittler der Mordkommission zu der Verdächtigen nach Hause gefahren.

Die Verdächtige wird in eine Psychiatrie eingewiesen. Die Haftrichterin habe die einstweilige Unterbringung der Bediensteten des Wohnheims im Maßregelvollzug der Asklepios-Klinik in Brandenburg/Havel angeordnet, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Wilfried Lehmann am Donnerstag. Die Richterin habe dringende Gründe für eine eingeschränkte oder vollständige Schuldunfähigkeit der Beschuldigten erkannt. Die Staatsanwaltschaft hatte Haftbefehl wegen Totschlags beantragt.

Der Tatvorwurf könne auf Mord erweitert werden, falls Mordmerkmale wie niedere Beweggründe oder Heimtücke erfüllt seien, so Lehmann. „Zum Motiv, zum konkreten Ablauf haben wir noch keine Erkenntnisse.“ Die Opfer würden zurzeit gerichtsmedizinisch untersucht.

Opfer waren langjährige Bewohner der Einrichtung
Im Wohnheim Thusnelda-von-Saldern-Haus in Potsdam-Babelsberg waren nach Angaben der Leitung am Mittwochabend gegen 21.30 Uhr vier Tote und eine schwer verletzte Bewohnerin in verschiedenen Krankenzimmern von den alarmierten Polizisten entdeckt worden. Die vier Todesopfer - zwei Männer und zwei Frauen - waren langjährige Bewohner der diakonischen Einrichtung. Zwei von ihnen hätten dort seit ihrer Kindheit gelebt, sagte Tina Mäueler, Bereichsleiterin Wohnen in den Oberlin Lebenswelten. Auch die schwer verletzte Frau, die sich nicht in Lebensgefahr befindet, ist demnach in der Einrichtung untergebracht.

Video: Großeinsatz nach dem Auffinden von vier Leichen in Wohnheim

„Zuerst um die Mitarbeiter kümmern“
Weitere Angaben zum Hergang der Tat wurden bisher nicht gemacht. Die Polizei gab am Donnerstagvormittag lediglich bekannt, bis zur Beendigung der Angehörigenverständigungen keine weiteren Angaben zu den Opfern oder den Umständen ihres gewaltsamen Todes machen zu wollen. Aus dem Umfeld des Spitals habe es laut „Bild“-Zeitung geheißen, man werde im Laufe des Tages weitere Informationen bekannt geben, wolle sich zunächst aber um die Mitarbeiter kümmern.

In der Polizeimitteilung hieß es weiter, dass die Verletzungen aller Opfer auf „schwere, äußere Gewaltanwendung zurückzuführen“ seien. Die Tatwaffe war nach Angaben der „Bild“ ein Messer, die 51-jährige Verdächtige habe in den Einvernahmen bisher geschwiegen. Eine Mordkommission übernahm die Ermittlungen zum Verdacht eines vorsätzlichen Tötungsdeliktes.

„Es ist ein schwerer Tag für Brandenburg“
Bestürzt reagierte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke auf die Tragödie: „Eine schreckliche Nachricht. Ich bin schockiert. Meine Gedanken gelten den Opfern und meine Anteilnahme den Angehörigen.“ Im Privatsender BB Radio sprach er von einer grauenhaften und fürchterlichen Tat. „Es ist ein schwerer Tag für Brandenburg.“

Auch Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen sprach den Angehörigen sein Beileid aus. „Die Tat erschüttert uns alle zutiefst.“ Am Abend sollte eine Gedenkandacht in der Oberlinkirche stattfinden. Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert sagte laut „Bild“ am Donnerstagmorgen: „Oberlin stehe in seiner langen Tradition für aufopferungsvolle Pflege von Menschen für Menschen. Umso unbegreiflicher ist für uns alle die Tat des gestrigen Tages.“

Wohnstätte für Erwachsene mit mehrfachen schweren Behinderungen
Das betroffene Thusnelda-von-Saldern-Haus gehört zum Komplex des Oberlinhauses in Potsdam-Babelsberg, eine Wohnstätte für Erwachsene mit mehrfachen schweren Behinderungen.

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler
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