26.04.2021 10:20 |

Nach Spionagevorwürfen

OMV-Chef Seele wird Vertrag nicht verlängern

Paukenschlag bei der OMV: Der Chef des teilstaatlichen österreichischen Energiekonzerns, Rainer Seele, wird zum 30. Juni 2022 seinen Posten räumen. Der 60-jährige Deutsche werde eine Verlängerungsoption seines Vertrags nicht wahrnehmen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Gründe dafür wurden von offizieller Seite keine genannt. Die OMV sieht sich aktuell mit heftigen Spionagevorwürfen konfrontiert.

Wie das Unternehmen in einer Aussendung am Montagvormittag bekannt gab, informierte Seele den Aufsichtsratsvorsitzenden Mark Garrett, dass er auf eine Verlängerung seines Vertrags verzichte. Seele ist seit 1. Juli 2015 Vorstandsvorsitzender der OMV, die zu 31,5 Prozent im Besitz der Republik Österreich ist.

Greenpeace fordert Rücktritt Seeles
Vor knapp zwei Wochen tauchten Spionagevorwürfe gegen das Unternehmen auf. Der österreichische Öl- und Gaskonzern soll Umweltschützer durch internationale Spionagefirmen systematisch überwachen. Auch soll es angebliche Unkorrektheiten bei der mehrheitlichen Übernahme des Chemiekonzerns Borealis gegeben haben. So schrieb die Rechercheplattform „Dossier“, die OMV habe für die Borealis-Anteile einen zu hohen Kaufpreis bezahlt und ihren Aufsichtsrat über den Deal nicht ausreichend informiert. Im Zuge dessen forderten die Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) sowie Vizekanzler Werner Kogler rasche Aufklärung in der Causa von der OMV. Greenpeace forderte gar den Rücktritt Seeles wegen dessen „demokratiefeindlichen Kurses“.

OMV weist Vorwürfe zurück und klagt Rechercheplattform
Die Vorwürfe wies das Unternehmen bisher vehement zurück. OMV-Sprecher Andreas Rinofner betonte, „dass sämtliche Tätigkeiten von Firmen, die für die OMV arbeiten, unter Einhaltung aller geltenden Gesetze erbracht werden“. Es gebe „keine dubiose Beauftragung und es gibt auch keine Spionage, sondern korrekte, legale Aufträge, die entsprechend den Gesetzen sowie unseren Compliance-Richtlinien und dem Code of Conduct abgewickelt werden“. Die OMV reichte inzwischen Klage hat deswegen Klage gegen “Dossier“ eingereicht, der geforderte Schadenersatz belaufe sich auf insgesamt 130.000 Euro.

Greenpeace: „Rückzug Seeles längst überfälliger Schritt“
Der am Montag angekündigte Rückzug Seeles sei für Greenpeace „ein längst überfälliger Schritt“. Nun müsse die OMV „zu einem zukunftsfähigen und transparenten Konzern umgebaut werden“, so Greenpeace-Geschäftsführer Alexander Egit. Zudem müssten die Vorwürfe der Überwachung von Umweltschützern rasch aufgeklärt und die Klage gegen „Dossier“ sofort zurückgezogen werden, so Egit.

Ein weiterer Grund für Seeles freiwilligen Rückzug könnten auch die konzerninternen Streitigkeiten rund um den Betriebsrat sein. Mehrere Medien berichteten in den vergangenen Wochen und Monaten über harte interne Machtkämpfe zwischen Belegschaftsvertretern - insbesondere nach der Borealis-Übernahme - sowie über interne Untersuchungen von OMV-Mitarbeitern ohne vorangegangene Einbindung des Betriebsrats.

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