14.04.2021 18:56 |

Aktuelle Elternumfrage

Lockdown: 4 von 10 Schülern verschlechterten sich

Seit einem Jahr wechseln die Schulen zwischen Schichtbetrieb, Präsenz- und Fernunterricht. Bei mehr als der Hälfte der Schüler ist mit dem Verlust von Schulroutine und Sozialkontakten auch die Lernfreude zurückgegangen, wie eine aktuelle Elternumfrage des Nachhilfeinstituts Lernquadrat deutlich macht. Mehr als 40 Prozent der Eltern orten eine Verschlechterung der Schulleistungen. Fast ein Viertel berichtet zudem von mehr Suchtverhalten ihrer Kinder, von Spielen über Süßigkeiten bis zu Alkohol.

Die Leistung der Schüler ist laut der Erhebung, für die Lernquadrat und der Verband der Elternvereine an den höheren und mittleren Schulen Wiens (VEV) im Februar und März online rund 1100 Eltern befragt haben, vor allem in den Hauptfächern Mathematik, Deutsch und Englisch zurückgegangen.

Verschlechterung der Lernsituation vor allem an Volksschulen
Bei der Lernsituation sehen mehr als zwei Drittel eine Verschlechterung, vor allem an den Volksschulen. Die größten Probleme während des Distance Learnings sind dabei aus Sicht der Eltern der fehlende persönliche Kontakt zu den Mitschülern und Lehrern und der Verlust der Alltagsroutine. Etwa jeder fünfte Befragte beklagt außerdem zu wenig Lernanreiz und Stress für die Kinder. Probleme mit technischen Geräten werden nur von jedem Zwölften genannt. „Den Schülerinnen und Schülern selbst fehlt im Lockdown vor allem der persönliche Kontakt zu Mitschülern und Lehrkräften und die tägliche Routine“, spricht LernQuadrat-Unternehmenssprecherin Angela Schmidt von einem „markanten Umfrageergebnis“.

Auf der Haben-Seite stehen aus Elternsicht eine bessere Selbstorganisation der Schüler, weniger Gesundheitsrisiken und ein besserer Umgang mit digitalen Instrumenten vor allem bei den Jüngeren. Ein Viertel der Eltern freut sich außerdem über mehr gemeinsame Zeit mit dem Kind.


Die psychische Gesundheit hat nach Wahrnehmung der Eltern unter der Pandemie gelitten: Vier von zehn Befragten berichten in der Erhebung davon, dass ihre Kinder seither träger geworden seien, vor allem Burschen. Mehr als ein Viertel der Eltern gibt zudem an, bei ihren Kindern seither häufiger Zorn, Ärger, Gereiztheit - vor allem bei Mädchen - , und auch Gleichgültigkeit und Desinteresse - mehr bei den Buben - wahrzunehmen.

Distance Learning für Hälfte der Familien eine Belastung
Das Distance Learning war laut den Eltern auch für die Hälfte der Familien eine Belastung. 57 Prozent geben an, dass sie im Fernunterricht ihre Kinder öfter unterstützen mussten als gewohnt, am stärksten bei der Motivation, der Lernorganisation und - vor allem bei jüngeren Schülern - dem Verstehen der Aufgaben. Etwa jede fünfte Familie hat die pandemiebedingten Lerndefizite ihres Kindes mit verstärkter Nachhilfe ausgeglichen.

Bei den Corona-Maßnahmen in der Schule werden Abstandhalten und Maskenpflicht von den Eltern mehrheitlich positiv bewertet, während eine allgemein mildere Benotung und Online-Prüfungen auf wenig Gegenliebe stoßen. Für den Schichtbetrieb gibt es ebenso viel Befürwortung wie Ablehnung.

Abhilfe dank Online-Lerngruppen und Bewegung nicht vergessen
Um bestmöglich durch das Distance Learning zu kommen, empfiehlt Lernquadrat-Expertin Schmidt den Schülern neben dem Bilden von Online-Lerngruppen auch, nicht auf regelmäßige Pausen und Bewegung zu vergessen. Für VEV-Sprecher Marcus Dekan sind die Umfrage-Ergebnisse ein Beleg dafür, dass nach einer Rückkehr in den schulischen Vollbetrieb der Schwerpunkt zunächst auf der mentalen und emotionalen Gesundheit der Kinder liegen muss. Der Elternverband werde versuchen, das Bildungsministerium zu animieren, dass dafür dann auch Zeit investiert wird.

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