13.04.2021 06:00 |

Immer größere Umsätze

Casinos im Internet boomen in der Corona-Krise

Wegen Corona machen virtuelle Casinos immer größere Umsätze. Die meisten Firmen betreiben ihr Geschäft vom Ausland und illegal. Ein Prozessfinanzierer hilft, die teils erheblichen Verluste zurückzuholen.

150 Millionen Euro jährlich oder 400.000 Euro pro Tag werden allein in Österreich in Glücksspiele im Internet investiert. In Europa soll der Umsatz vier Milliarden pro Jahr betragen. Tendenz stark steigend.

Finanzielle Verluste sind oft die Folge
Die Verlockung ist groß. Es ist nicht einmal mehr notwendig, das Haus zu verlassen. Das Casino im Internet hat 24 Stunden geöffnet. Große finanzielle Verluste sind oft die Folge. Tragische Begleiterscheinungen sind menschliche Tragödien. Ehen zerbrechen, weil die Partner oft spät von der Spielsucht erfahren. Firmen gehen pleite, weil die Chefs die Unternehmen unzumutbar mit Krediten belasten. Und so manche Erbschaft wurde auch schon verspielt.

Die meisten dieser Anbieter im Internet betreiben ihr Geschäft illegal. Offiziell darf nur win2day von den Österreichischen Lotterien Online-Glücksspiel anbieten. Dies natürlich unter Einhaltung strengster Spielerschutzbestimmungen.

Spielerschutz ist äußerst mangelhaft
Der Prozessfinanzierer AdvoFin hat den illegalen Casinos - es gibt mehr als 70 davon - den Kampf angesagt. Denn dort ist der Spielerschutz äußerst mangelhaft. AdvoFin bietet die Möglichkeit, sich die teils erheblichen Verluste per Klage zurückzuholen - und das ohne finanzielles Risiko (www.advofin.at).

Seit Beginn der Pandemie stiegen die Umsätze - und damit die Verluste
Die Firma betreut derzeit 1500 Personen, zwei Millionen Euro wurden bereits erstritten. „Unser höchster Klagsbetrag ist immerhin 2,1 Millionen Euro. Wir haben auch mehrere Klagen über eine Million Euro“, erklärt AdvoFin-Vorstand Dr. Gerhard Wüest: „Im Schnitt verspielten unsere Klienten insgesamt 15.000 oder 20.000 Euro.“ Corona hat die Situation verschlimmert. „Wir beobachten seit Beginn der Pandemie, dass die Umsätze und damit auch die Verluste bei den Leuten um ein Drittel steigen“, sagt Dr. Wüest.

Die rechtliche Argumentation für die Klagen bezieht sich ausschließlich darauf, dass die Online-Casinos ihr Geschäft ohne gültige Lizenz in Österreich betreiben und daher die Verluste zurückgezahlt werden müssen.

Dank des Konsumentenschutzes ist der Gerichtsstand für Klagen gegen die meist auf Malta ansässigen Unternehmen Österreich. Gefordert werden können Verluste aus Online-Casinos oder Online-Pokerrunden. Auch der Nachweis, wie viel Geld verspielt worden ist, ist nicht mehr so schwierig zu erbringen. Unternehmen müssen die Abrechnungen den Spielern übermitteln.

Erlaubt sind hingegen Sportwetten im Internet. Dies deshalb, da der Erfolg laut Definition nicht allein auf Glück, sondern zumindest auf einem Quäntchen Wissen und Erfahrung beruht.

Interview: Online-Glücksspiel „sehr gefährlich
Für den Wiener Suchtbeauftragten Hans Haltmayer sind Online-Glücksspiele „sehr gefährlich“ - wenn nicht sogar am gefährlichsten.

„Krone“: Wie gefährlich sind Online-Glücksspiele?
Hans Haltmayer: Ihre Gefährlichkeit ist als sehr hoch, wenn nicht sogar als am höchsten unter den Glücksspiel-Angeboten einzuschätzen. Hauptgründe sind die Verfügbarkeit rund um die Uhr, die Möglichkeit, anonym zu bleiben und unbemerkt, etwa unterwegs auf dem Handy, zu spielen und sich auf verschiedenen Seiten gleichzeitig registrieren zu können. Auch ist hier die Gefahr, den Bezug zum ausgegebenen Geld zu verlieren, höher. Zudem ist oft nicht klar ersichtlich, welche Seiten legal sind. Und die Werbung für Online-Glückspiele ist schwer zu umgehen.

Hat sich in der Pandemie etwas verändert?
Die Zahl derer, für die Online-Glücksspiele zum Problem geworden sind, steigt über die letzten Jahre hinweg an - so auch 2020. Aber auch wenn einige pandemiebedingte Faktoren Online-Glücksspiele begünstigen, kann man wohl davon ausgehen, dass es sich bei der Steigerung um die Fortsetzung des Trends der letzten Jahre handelt.

Wie kann der Einzelne Süchtigen helfen?
Süchtige sollten motiviert werden, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Daten und Fakten

Zivilklagen im Umfeld des Glücksspiels gibt es schon lange. Die rechtliche Lage war früher schwierig. Es musste für eine erfolgreiche Klage der Nachweis erbracht werden, dass ein Kunde spielsüchtig war und dass er, vielleicht auch wegen hoher Umsätze, nicht hätte spielen dürfen. Viele Menschen, die ihre Existenz verspielt haben, konnten auch schwer die Höhe ihrer Verluste nachweisen. Dies ist bei den Klagen der Advofin leichter: Die Glücksspiel-Firmen müssen die Umsätze deklarieren, und dass viele von ihnen illegal in Österreich tätig sind, ist auch klar.
Infos: www.spielsuchthilfe.at bzw. www.api.or.at

Silvia Schober
Silvia Schober
Peter Grotter
Peter Grotter
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