25.10.2004 20:20 |

Deutsch ist schön

"Habseligkeiten" ist schönstes Wort

Das "schönste deutsche Wort" ist "Habseligkeiten": Der Begriff und seine Begründung wurden von der Jury des Deutschen Sprachrates und des Goethe-Instituts zum Gewinner des Internationalen Wettbewerbs gekürt. Bei der Wahl war nicht entscheidend, wie oft ein Wort genannt wurde, sondern wie die Einsender ihre Wahl begründeten.
Am besten gelang dies nach Ansicht der JurorenDoris Kalka aus Tübingen. Sie hatte sich für "Habseligkeiten"entschieden, weil es den Gegensatz des menschlichen Strebens nachBesitz mit dem "unerreichbaren Ziel" der Seligkeit vereine. "Geborgenheit"landete auf Platz zwei, gefolgt von "lieben".
 
"Das Wort (Habseligkeiten) bezeichnet nicht denBesitz, nicht das Vermögen eines Menschen, wohl aber seineBesitztümer, und es tut dies mit einem freundlich-mitleidigenUnterton, der uns den Eigentümer dieser Dinge sympathischund liebenswert erscheinen lässt", schreibt Kalka, Sekretärinan der Universität Tübingen. Für ihre "poetisch-philosophische" Begründung wurde sie mit einer Reise nachMauritius belohnt.
 
"Wir hatten den Wunsch, die Freude an der deutschenSprache wiederzubeleben", sagte Jutta Limbach, Präsidentindes Goethe- Instituts und Vorsitzende des Deutschen Sprachrats,zum Ziel des Wettbewerbs. Insgesamt beteiligten sich daran 22.838Menschen aus 111 Ländern. Rund ein Viertel der Vorschlägekam aus dem Ausland: Die "Liebe" war weltweit der unangefochteneSpitzenreiter unter den eingesandten Wörtern. Aus den Einsendungenwählten Mitarbeiter des Deutschen Sprachrats, des Goethe-Institutsund der Gesellschaft für deutsche Sprache 95 Vorschlägefür die Jury aus, der unter anderem der Sänger HerbertGrönemeyer, Autor Uwe Timm und Filmregisseur Joseph Vilsmaierangehörten.
 
Der zweitplatzierte Vorschlag kam aus dem Ausland."In meiner Sprache kann man die Gefühle der Geborgenheitnicht in Worte fassen. Das macht aus diesem Wort mein Lieblingswortder deutschen Sprache", sagte Einsenderin Annamaria Musakova ausder Slowakei. Gloria Bosch aus Palma de Mallorca überzeugtemit ihrer Begründung für das Verb "lieben", "das nurein 'i' vom Leben entfernt ist".
 
Platz vier belegte der "Augenblick" mit der Begründungvon Sabine Brenner aus der Schweiz: Das Wort sei "um eine subversiveIdee zu lang für das, was es besagt" und klinge "so vielsinnlicher als ein "Moment"". Zum "coolsten deutschen Wort" wurde"Rhabarbermarmelade", eingereicht von Frank Niedermeyer, gewählt.Er meinte: "Und welches Wohlgefühl umfällt mich, wennich Sonntagmorgens zu meinem Schatz sagen kann: "Barbara, reichmir doch bitte die Rhabarbermarmelade." Im Wettbewerb um "Dasschönste Wort der Kinder" siegte die "Libelle". Fürden zehnjährigen Sylwan Wiese aus Köln "flutscht" dasWort auf der Zunge.
 
In Deutschland gehörten "Gemütlichkeit","Sehnsucht" und "Heimat" zu den meist genannten Wörtern.Eine Auswahl der Liebeserklärungen an die deutsche Sprachewird in einem Buch zusammengefasst, in dem sich auch Beiträgevon prominenten Künstlern und Politikern wie Loriot und WolfgangJoop, Wolfgang Thierse und Renate Künast finden. Der Wettbewerbsoll mit veränderten Kriterien fortgesetzt werden.
Mittwoch, 23. Juni 2021
Wetter Symbol