18.03.2021 06:00 |

Ermittlungen laufen

Fünf Vorwürfe gegen das steirische Skandal-Heim

Nach etlichen Corona-Fällen wird gegen Verantwortliche des Pflegeheims Tannenhof im Mürztal ermittelt. Die „Krone“ bringt nun weitere Details ans Tageslicht.

Viele „Steirerkrone“-Leser erinnern sich bestimmt noch an die Szenen, die sich am 30. November des Vorjahres beim Pflegeheim Tannenhof in St. Lorenzen im Mürztal abspielten: An diesem Tag rückte das Bundesheer an, weil im Heim Chaos herrschte.

42 der 49 Bewohner waren mit Corona infiziert, 75 Prozent des Personals ebenso krank oder in Quarantäne. Kurz darauf wurde bekannt, dass sich auch die Staatsanwaltschaft Leoben eingeschaltet hatte. Auch aktuell wird noch ermittelt, die Tatbestände lauten „Quälen und Vernachlässigen wehrloser Personen“, „vorsätzliche Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten“ und „fahrlässige Körperverletzung“ (der Tatbestand bezieht sich auf 30 Mitarbeiter, die zu Schaden gekommen sein sollen). Die Obduktion von 18 Leichen wurde angeordnet, die Ergebnisse sind noch ausständig. Die „Krone“ kennt alle Vorwürfe im Detail:

  • Nach Verdachts- bzw. aufgetretenen Corona-Fällen zu spät Sicherheitsvorkehrungen getroffen
    Wie einvernommene Mitarbeiter berichten, soll bereits am 21. September 2020 eine Reinigungskraft mit dem Virus infiziert gewesen sein. Dennoch seien keinerlei Schutzmaßnahmen wie Durchtestungen erfolgt. Im November sei eine weitere Pflegekraft aus Kroatien positiv getestet worden. Trotz allem soll sie sich im Heim ohne Maske aufgehalten haben. Zeugen berichten zudem, dass weder Pflegepersonal noch Heimbewohner mit Mund-Nasen-Schutz am Areal unterwegs gewesen seien. Eine Hygienefachkraft berichtet etwa davon, dass bei ihrem Eintreffen positiv Getestete ohne Schutzmaske ein- und ausgehen und Erkrankte wie Verdachtsfälle im Eingangsbereich miteinander am selben Tisch sitzen und plaudern würden.
  • Es stand zu wenig Schutzausrüstung zur Verfügung
    Weder sollen ausreichend Schutzanzüge noch FFP2-Masken für das Pflegepersonal zur Verfügung gestanden sein. Ein Zeuge spricht sogar von externen Verkäufen durch Heim-Verantwortliche an den Briefträger.
  • Aushilfspersonal wurde zu spät angefordert, was in einem Bundesheer-Einsatz gipfelte
    Dieser Vorwurf entspringt den Aussagen eines Bundesheer-Bediensteten, der kurz nach Anforderung beim Tannenhof eintraf. Für ihn sei klar, dass Aushilfspersonal viel zu spät angefordert worden sei. Das eigene Personal sei nicht nur wegen Corona-Erkrankungen, sondern auch psychischer Belastung und Überforderung nicht einsatzfähig gewesen.
  • Mangelnde Hygiene im gesamten Heim
    Auch davon berichteten einige Zeugen: Die externe Putzfirma sei ihren Aufgaben nicht nachgekommen. Tagelang seien Zahnprothesen, gebrauchte Taschentücher und Staub unter den Betten gelegen. Obwohl Mitarbeiter dies den Heim-Verantwortlichen gemeldet hätten, habe sich nichts verändert. Auch Bedienstete des Bundesheers sowie eine Hygienefachkraft stellten Mängel fest. Noch schlimmer: Kontaminierte Schutzanzüge sollen vom Personal nicht sofort entsorgt, sondern von Zimmer zu Zimmer getragen worden sein. Generell habe das Pflegepersonal keine Hygiene-Schulungen erhalten, und der Heimleiter habe das Thema Corona kleingeredet.
  • Keine Trennung von bereits Infizierten und Corona-Verdachtsfällen
    Laut Landesverordnung muss dafür gesorgt werden, dass Erkrankte, Verdachtsfälle und Gesunde voneinander getrennt werden. Das soll nicht geschehen sein, wodurch das Virus „leichtes Spiel“ gehabt habe.
Von
Monika Krisper
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