22.02.2021 23:14 |

Nach tödlichem Unfall

Salzburgs Raser treffen sich zur Trauerfahrt

„Viel Kraft und unser Beileid“: Innerhalb der organisierten Szene ist die Betroffenheit nach dem tödlichen Raser-Unfall in Salzburg vom Wochenende groß. Stunden zuvor klang das bei einigen Unverbesserlichen noch komplett anders.

Die Regeln sind klar. „Keine Rennen, keine Musik“, lautet der eindringliche Appell in den sozialen Netzwerken. Am Samstag treffen sich Salzburgs Raser zu einer gemeinsamen Ausfahrt in der Vogelweiderstraße - und damit an jenem Ort, an dem am vergangenen Wochenende ein 17-Jähriger verstorben ist.

„Erweist meinem Bruder die letzte Ehre“
Der Jugendliche saß am Rücksitz eines PS-starken BMW. Mit massiv überhöhter Geschwindigkeit kam der 18-jährige Lenker von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Brückenpfeiler. Bei der im Internet ausgerufenen „Abschiedsfahrt“ soll es nun deutlich ruhiger zugehen. „Erweist meinem Bruder die letzte Ehre“, heißt es.

Die Betroffenheit innerhalb der Szene ist derzeit jedenfalls groß. Einschlägige Seiten im Internet sind voll von Beileidsbekundungen, Abschiedsgrüßen und Schwarz-Weiß-Bildern des Unfallwracks. Kommt die Szene damit endlich zur Besinnung - nachdem sich Unbelehrbare zuvor wochenlang illegale Straßenrennen quer durch Salzburg geliefert hatten? Wohl kaum.

Raser-Treffen in Bergheim nur Stunden vor Unfall
Nur wenige Stunden vor dem tödlichen Unfall hatten sich Dutzende Sportwagenbesitzer in Bergheim trotz Ausgangssperre mit ihren Boliden getroffen - die „Krone“ berichtete. Die Polizei sprengte das Treffen, es setzte 27 Anzeigen. Die Raser beeindruckte das kaum. Im Gegenteil: So mancher stellte Bilder seiner Strafverfügung vergnügt ins Internet. „Es war uns eine Ehre“, schrieb einer zu seinem Foto. Im Internet kursierte auch eine Liste mit Warnhinweisen, wie man einer Anzeige bei dem Treffen am besten entgehen könne.

Polizei im Kampf gegen illegale Straßenrennen
Der exakte Hergang des tödlichen Unfalls ist indes weiter unklar. Die Polizei will nicht bestätigen, dass der Kollision ein illegales Rennen vorausgegangen ist. Augenzeugen berichteten der „Krone“ jedenfalls, dass sie mehrere Sportwagen in unmittelbarer Nähe des Unfallorts gesehen hatten. Unklar ist, ob der Todeslenker zuvor das Tuner-Treff in Bergheim besucht hat. Die Polizei will die Kontrollen gegen Raser weiter verstärken.

Die Tempobolzer selbst dürfte das nicht abschrecken. Im Internet werden bereits die nächsten Treffen im Raum Salzburg angekündigt. „Aber benehmt euch bitte“, heißt es.

Nikolaus Klinger
Nikolaus Klinger
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