16.02.2021 15:47 |

Von Vater gekidnappt

Dubais Prinzessin Latifa: Hilferufe aus Geiselhaft

Mit einem spektakulären Versuch hat Prinzessin Latifa Al Matoum 2018 versucht, aus Dubai zu flüchten. Dies misslang, die junge Frau wurde vom Militär zurück in ihre Heimat gebracht. Dort wird sie seitdem von ihrem eigenen Vater, dem Emir von Dubai, als Geisel gehalten. Das belegen Videos, die die 35-Jährige heimlich an Freunde verschickt hatte und die die BBC nun veröffentlichte

Per Schlauchboot und Jacht hatte die inzwischen 35 Jahre alte Frau 2018 versucht, Dubai zu verlassen, bis sie schließlich von einem Sonderkommando vor der indischen Küste gestoppt und gewaltsam zurückgebracht worden sein soll, wie Unterstützer Latifas behaupten. Seitdem befinde sich die Prinzessin in Geiselhaft - angeordnet von ihrem eigenen Vater, heißt es.

Verzweifelte Hilferufe aus der Geiselhaft
Dubai sowie die Vereinigten Arabischen Emirate hatten dies zuletzt zurückgewiesen. Sie sei in Sicherheit und in der Obsorge ihrer Familie, ließ man ausrichten. Doch Freunde Latifas zeigten sich jetzt besorgt: Während der letzten Jahre hätten sie stets geheime Videonachrichten der Prinzessin erhalten, in denen diese über ihre dramatische Situation berichtet habe. Bis jetzt. Nun, so hoffen sie, sollen die Vereinten Nationen Ermittlungen aufnehmen.

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Ich bin immer noch sehr besorgt um Latifa. Die Lage hat sich weiterentwickelt. Und daher bin ich der Meinung, dass Untersuchungen angestellt werden müssen.

Mary Robinson

Mary Robinson, UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, die Latifa bereits 2018 getroffen hatte, drängt nun darauf, den Fall der Prinzessin wieder genauer zu untersuchen. „Ich bin immer noch sehr besorgt um Latifa“, erklärte sie der BBC. „Die Lage hat sich weiterentwickelt. Und daher bin ich der Meinung, dass Untersuchungen angestellt werden müssen.“

Videos heimlich im Badezimmer aufgenommen
Über viele Monate hinweg hatte Prinzessin Latifa Videos mit einem Handy aufgenommen, das ihr ein Jahr nach ihrer gewaltsamen Rückkehr nach Dubai heimlich gegeben worden war. Gefilmt hatte sich die 35-Jährige stets im Badezimmer, da dies laut eigener Aussage der einzige Raum war, bei dem sie die Türe verschließen konnte.

Unter anderem berichtete Latifa in den Videos über ihren Fluchtversuch, der von Soldaten unterbunden worden war. Sie habe sich mit „Tritten und Schlägen“ versucht, zu wehren, bis sie betäubt und mit einem Privatjet zurück nach Dubai geflogen worden sei. Dort wird sie laut eigenen Angaben in einer Villa gefangen gehalten, in der sie weder Zugang zu medizinischer Hilfe noch zu Rechtsbeistand habe. Alle Türen und Fenster seien zudem ausbruchsicher verbarrikadiert, das Anwesen von der Polizei überwacht. 

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Ich werde in diesem Gefängnis festgehalten, obwohl ich frei sein möchte. Ich weiß nicht, was sie mit mir tun werden.

Scheicha Latifa

„Ich werde in diesem Gefängnis festgehalten, obwohl ich frei sein möchte. Ich weiß nicht, was sie mit mir tun werden“, erklärte die Scheicha unter anderem. „Die Situation wird immer aussichtsloser Tag für Tag. Und ich bin einfach nur noch müde.“

Bereits vor ihrem Fluchtversuch hatte Latifa ein rund 39 Minuten langes Video aufgenommen, in dem sie versuchte, zu erklären, warum sie nicht mehr in einem goldenen Käfig leben wolle. Schon damals sprach sie über das „große Ego“ ihres Vaters, dem Herrscher von Dubai. Sie warf ihm vor, für die Bewahrung seines Rufs zu töten. Es war bereits ihr zweiter Fluchtversuch. Nach dem ersten im Jahr 2002 war sie nach eigenen Angaben unter menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten worden, die nach Ansicht des Gerichts Folter darstellen.

Emir von Dubai soll für Entführung und Folter verantwortlich sein
Im März des letzten Jahres hatte ein britisches Gericht den Emir von Dubai, Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktoum (70), für die Entführung zweier seiner Töchter und die Einschüchterung einer seiner Ehefrauen verantwortlich gemacht. Zuvor hatte Prinzessin Haja Bint al-Hussein (45), einer der Ehefrauen des Scheichs, Vorwürfe erhoben. Demnach soll er veranlasst haben, zwei seiner Töchter, Scheicha Schamsa und Scheicha Latifa, nach Fluchtversuchen entführen zu lassen. In einem Fall stellte das Gericht sogar Folter fest. Die beiden Schwestern sollen aber immer noch gefangen gehalten werden.

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