05.12.2010 13:02 |

In der Spielhölle...

Gesetzeslücke: Die Glücksspielmafia regiert in Tirol!

Das Glücksspiel ist neben der Zuhälterei das älteste Gewerbe der Welt. In Österreich hat der Staat das Monopol auf das "schnelle Geld". Privatpersonen oder Unternehmern ist das Geschäftsgebaren mit Fortuna per Gesetz untersagt. Doch hierfür gilt die römische Weisheit: Ein Gesetz ohne Sanktionen ist kein Gesetz. "Krone"-Reporter Matthias Holzmann und Landtagsabgeordneter Gebi Mair (Grüne) zeigen auf, wie Politik und Justiz versagen…

Die Augen blicken starr auf den Bildschirm, in der linken Hand Bier und Zigarette, der rechte Finger verharrt auf einer Taste. "Komm schon, spuck es aus du Sau", nuschelt ein älterer Herr. Er spricht mit einer Maschine, einem "Einarmigen Banditen". Der Computer blinkt, rattert, trällert und schluckt Geld, viel Geld. Tausende Euro hat der alte Mann schon in den Automaten "investiert". Er kommt oft hierher, sagte er zu uns. Er gewinne nicht selten…

Ein paar Automaten weiter zockt ein junger Bursche. Auch er kommt regelmäßig zum Zocken. Seine Augen sind glasig, die Pupillen wie Stecknadeln, er wirkt verlottert. Zehn Euro will er heute setzen. Mehr hat er nicht. Er verliert, aber er wird wiederkommen, noch mehr verlieren…

Verlierer: die Armen, Gewinner: die Abzocker
In der knapp 30 Quadratmeter großen Spielhöhle "Golden Nugget" in der Innsbrucker Brixnerstraße zocken die, die es nicht haben - die Unterschicht: Hilfsarbeiter, Arbeitslose, Drogensüchtige und Migranten. Sie rauchen, saufen und spielen. Das Geschäft läuft gut, die Kasse ist gerammelt voll, von Krise keine Spur.

Die zwei jungen Geschäftsführer tänzeln in ihren teuren Designer-Daunenjacken durch die Reihen und quetschen die Spielsüchtigen gnadenlos aus. Ein schauderhafter Anblick!

300 Millionen Euro werden laut Polizei pro Jahr durch illegales Glücksspiel in Tirol erwirtschaftet. Die Tiroler Glücksspielmafia ist sehr mächtig!

Illegale Auszahlung - kein Problem!
"Krone"-Reporter Holzmann und der Landtagsabgeordnete Gebi Mair zockten am Freitag inkognito in dem Schuppen. Binnen 20 Minuten kletterte der Spieleinsatz von 10 Euro auf über 500 Euro. Aufhören oder weitermachen? Da waren es nur noch 300 Euro…

"Unterhaltungsspiel - Keine Auszahlung! Kein Gewinn!", stand in großen Lettern auf den Automaten. Eine glatte Lüge! Ohne zu zögern zahlte uns der dicke Kassierer aus. 300 Euro in Bar - ILLEGAL! Wir riefen die Polizei. Die Beamten kennen das Problem mit den Spielbuden. Der "Gummiparagraf" macht ein Einschreiten unmöglich. Das Gesetz biete zu viele Lücken, die Politik in Tirol sei unfähig, ein ordentliches Gesetz zu erlassen.

Firma ohne Chef?
Polizei und "Krone" konfrontierten die Chefs mit der Anzeige. Keiner fühlte sich zuständig. Wo ist der Geschäftsführer, fragten wir. "Der sitzt in London, ein gewisser Dennis Snider", antwortete einer der offensichtlichen Chefs lächelnd.

Im Internet taucht unter der Firma Golden Nugget jedoch nur der Name Wolfgang Zaunschirm auf. Erreichbar war der Herr nicht. Die zwei Männer, die sich in dem kleinen Laden wie die Inhaber aufführten, zogen sich aus der Verantwortung: "Wir sind nur Angestellte, was wir hier machen, wissen wir selbst nicht."

Ob die von der "Krone" und den Grünen erstattete Anzeige reicht, um ein Gerichtsverfahren anzustrengen, wird sich zeigen. Nun ermittelt der Staatsanwalt.

Neues Gesetz schließt Lücken nur teilweise
Lichtblick: Anfang 2011 verabschiedet die Regierung in Tirol ein Gesetz, welches einige Lücken schließen und den Automatenbetreibern das Leben schwerer machen soll. "Der nötige Durchgriff gegen das illegale Glücksspiel und die Ausnützung von Süchtigen gelingen damit aber noch nicht", kritisierte LA Mair (Grüne).

"Die Situation ist nicht zufriedenstellend", so Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf. Aber man sei auf dem richtigen Weg.

Man kann nur hoffen, dass sich die Politik vom Gängelband der Glücksspielmafia löst und tut, was man von ihr erwartet: korrekt arbeiten und den Schutz der Bürger gewährleisten, die hilflos im "Sumpf" stecken.

von Matthias Holzmann, Tiroler Krone

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