Steirisches Brauchtum

Mariä Lichtmess: Ein Licht am Ende des Tunnels

Mariä Lichtmess am 2. Februar gilt als Hoffnungsfest und traditionsreicher Tag - und hat für viele Steirer gerade in der Corona-Zeit wohl eine ganz spezielle Bedeutung. Der Experte Karl Veitschegger weiß mehr.

Der 2. Februar - wie viel an Bedeutung wird diesem Tag und damit Mariä Lichtmess zugeschrieben! „Und das schon seit zwei Jahrtausenden, nach der Geburt von Jesus“, weiß der Steirer Karl Veitschegger, der bei heimischen Bräuchen und Traditionen aus kirchlicher, aber auch Volkssicht ausgesprochen firm ist.

„Da war es nämlich so, dass Maria und Josef mit dem 40 Tage alten Baby, so wie es damals üblich war, in den Tempel gingen.“ Hintergrund: „Der Erstgeborene gehörte nämlich, das war tief im Glauben und Volk verankert, Gott. Mit einem Opfer wollte man ihn quasi freikaufen. So wird es im Lukas-Evangelium erzählt.“ Wo es weiter heißt: „Einem weisen, alten Mann, Simeon, wurde vom Heiligen Geist mitgeteilt, dass heute ein ,besonderes Kind’ kommt. Er verkündete daraufhin, dass Jesus das Licht der Völker sein werde.“

Karl Veitschegger

Als Symbol wurden schließlich geweihte Kerzen genommen. Und symbolträchtig war der Tag dann viele, viele Jahrzehnte lang. Veitschegger: „Der Winter war vor allem für das bäuerliche Volk eine oftmals sehr entbehrungsreiche Zeit, oft mit Hunger verbunden, es gab da ja nicht so viel an Lebensmitteln. Mit Mariä Lichtmess, als Ende der Weihnachtszeit gesehen, sollte Licht am Ende des Tunnels kommen. Buchstäblich, weil die Tage heller wurden. Und sinnbildlich, weil wieder Erträge aus Äckern und Gärten zu erwarten waren.“ Mariä Lichtmess war auch das Datum, an dem Knechte und Mägde ihre Dienstgeber verließen, ihr oftmals weniges Hab und Gut schulterten und beim nächsten Bauern um Kost und Logis gegen harte Arbeitsleistung baten.

Wie Ostern zum Ei kam
Mariä Lichtmess war der Anfang von Freude, einem bunteren Alltag - der im Fasching gipfelte. Danach ging es mit dem Fasten bis Ostern ja wieder an die Entbehrungen, „da durfte auch nichts Tierisches gegessen werden“. Interessantes Detail: „Auch daher essen wir zu Ostern so viele Eier. Die wurden von den Hennen ja in der Fastenzeit weitergelegt, durften aber nicht gegessen werden, daher hat man sie bis Ostern gesammelt und aufbewahrt.“

Lichtmess war aber auch immer ein Tag des „Bettelbrauches“: „Da haben weniger Wohlhabende bei anderen um Lebensmittel ,geheischt’, vor allem um Schmalz oder Eier - Dinge, die halt lange halten.“ Auch die Lichtmessgeiger, die von Haus zu Haus gingen - was in manchen Regionen heute noch Tradition hat - fanden ihren Ursprung.

Ein Licht am Ende des Tunnels, ein Ende der entbehrungsreichen Monate - gerade jetzt, in Zeiten von Corona und Lockdown, hat so etwas wohl auch in der Moderne eine besondere Bedeutung.