Bluttat in Laufhaus

Kritik am Haft-Ausgang des Tatverdächtigen

Steiermark
25.11.2010 13:19
Nach dem Mordversuch an einer Grazer Prostituierten am vergangenen Wochenende ist Kritik an dem Gefängnis-Ausgang des mutmaßlichen Täters laut geworden. Der Vorsitzende der Justizwachebeamten, Karl Aichinger, meint, dass sich der Anstaltsleiter der Haftanstalt Karlau über Empfehlungen gegen die Ausgänge hinweggesetzt habe. Die Vollzugsdirektion in Wien prüft nun den Fall. Das Opfer hat den als "Waldmensch" bekannten Verdächtigen mittlerweile als Täter identifiziert.

Das Bereichsleiterteam in der Karlau habe Anstaltsleiter Franz Hochstrasser vom gelockerten Vollzug für den 48-jährigen Häftling abgeraten, der Anstaltsleiter sei der Empfehlung aber nicht nachgekommen. Auch die Begutachtungsstelle für Sexualstraftäter (BEST) sei angeblich nicht wegen der Freigänge befragt worden: "Nach meiner Gesetztesauslegung wäre das aber zweckmäßig gewesen", erklärte Aichinger. Er vermutete am Donnerstag, dass es zu "einigen Betriebsblindheiten des Dienstellenleiters gekommen" und aus ökonomischen Gründen gehandelt worden sei - je weniger Häftlinge, desto weniger Beamte würden gebraucht.

Stundenweise "Bewegung im Freien" erlaubt
Während Hochstrasser zunächst keine Stellungnahme abgeben wollte, hieß es seitens des Vollzugsdirektors Karl Drexler, man werde sich den Fall "in Ruhe" ansehen. Sein Stellvertreter Peter Prechtl sei am Donnerstag in Graz, um den Sachverhalt zu prüfen und mit den Betroffenen zu sprechen. Wie Drexler erklärte, habe sich der Sträfling im gelockerten Vollzug befunden, ihm wurde daher stundenweise "Bewegung im Freien" erlaubt. Das sei prinzipiell im Rahmen des Gesetzes, aber nicht dasselbe wie der Ausgang bei Freigängern. Diese dürften bis zu mehrere Tage nach draußen, um sich zum Beispiel Wohnung und Arbeitsplatz zu besorgen, so Drexler.

"Restrisiko bleibt immer"
Eine Prüfung der Ausgänge für den Häftling sei nicht zwingend gewesen, "hätte aber zweckmäßig sein können", räumte der Vollzugsdirektor ein. Er sprach von einer "bedauerlichen Situation", betonte aber, dass man die Entscheidung über einen Ausgang immer anhand von Prognosen treffen müsse: "Ein Restrisiko bleibt immer." Die Frage sei, ob es Anhaltspunkte gegeben habe, die Entscheidung anders zu bewerten. Wenn falsch gehandelt wurde, werde es "Konsequenzen auf verschiedenen Ebenen geben", kündigte Drexler an. Diese könnten disziplinäre Maßnahmen oder eine Dienst- und Fachaufsicht sein.

Opfer und Ex-Frau unter Polizeischutz gestellt
Die 29-jährige schwer verletzte Prostituierte ist unterdessen aus dem künstlichen Tiefschlaf erwacht und befindet sich laut LKH Graz auf dem Weg der Besserung. Unmittelbare Folgeschäden seien im Moment nicht zu erwarten. Eine erste Befragung durch die Polizei hat bereits stattgefunden, in der die Bulgarin den Verdächtigen eindeutig als Täter nannte. Sowohl das Opfer, das am Freitag auf die Normalstation verlegt wird, als auch die Ex-Frau des Verdächtigen wurden unter Polizeischutz gestellt.

Verdächtiger könnte sich im Wechselgebiet aufhalten
Der 48-Jährige stand bereits wegen mehrerer Gewalt- und Sexualdelikte im Burgenland vor Gericht. Aktuell verbüßte der Verdächtige aber eine bis 2011 laufende Freiheitsstrafe wegen Eigentumsdelikten. Der Verdächtige ist nach wie vor untergetaucht. Die Polizei vermutet, dass er sich wie schon in vergangenen Jahrzehnten in Wäldern im Wechselgebiet im Dreiländereck der Bundesländer Steiermark, Niederösterreich und Burgenland aufhält. Schon in den 80er-Jahren war er hier monatelang untergetaucht, was ihm den Beinamen "Waldmensch" einbrachte.

Bei seinem Gefängnisausgang am Wochenende soll der Verdächtige in der Nacht auf den 21. November gegen 22.15 Uhr versucht haben, die 29-jährige Prostituierte in einem Grazer Laufhaus zu töten. Die Bulgarin wurde mit dem Kabel eines Bügeleisens gedrosselt, an ihrem Hals klaffte ein tiefer Schnitt durch ein Stanleymesser. Die lebensgefährlich verletzte Frau wurde sechs Stunden operiert.

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