14.01.2021 14:38 |

Um Loch zu untersuchen

Estonia-Tragödie: Schweden rüttelt am Grabfrieden

Schweden will Untersuchungen an der 1994 gesunkenen Ostsee-Fähre Estonia ermöglichen und dafür Änderungen am geltenden Grabfrieden vornehmen. Ziel sei, dass die Gesetzgebung bis Sommer stehe, sagte Innenminister Mikael Damberg. Das Justizministerium arbeite daran, das Grabfriedensgesetz anzupassen, um Untersuchungen unter Wasser zu gestatten. Bei dem Untergang, der schwersten Schiffskatastrophe in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg, starben 852 Menschen.

Die schwedische Havariekommission hatte die Regierung aufgefordert, den Grabfrieden der vor mehr als 26 Jahren gesunkenen Estonia zu ändern. Gemeinsam mit den Partnerbehörden in Estland und Finnland will die Kommission ein großes, lange Zeit unbekanntes Loch im Schiffsrumpf genauer untersuchen, das Dokumentarfilmer im Vorjahr mit einem Tauchroboter entdeckt hatten. Man wolle aber keine Menschen auf Tauchgänge zum Wrack schicken, sondern mit Tauchrobotern arbeiten.

Schwerste Schiffskatastrophe in Europa seit Zweitem Weltkrieg
Die Estonia war in der Nacht auf den 28. September 1994 mit 989 Menschen an Bord auf ihrem Weg von der estnischen Hauptstadt Tallinn nach Stockholm vor der finnischen Insel Utö gesunken. 852 Menschen starben, womit der Untergang als die schwerste Schiffskatastrophe in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg gilt.

Grabfriedensgesetz macht Wrack zur Ruhestätte - und zur verbotenen Zone
Weil viele der Toten nicht geborgen werden konnten, steht das Wrack, das auf rund 80 Metern Tiefe am Ostseegrund liegt, als Ruhestätte unter Schutz. Laut Grabfriedensgesetz darf es nicht aufgesucht werden.

Unglücksursache noch immer nicht restlos geklärt
Warum die Estonia unterging, konnte bisher nicht zweifelsfrei geklärt werden. Dem offiziellen Untersuchungsbericht aus dem Jahr 1997 zufolge war die abgerissene Bugklappe die Ursache für den Untergang. Überlebende und Hinterbliebene fordern jedoch seit Langem, dass die Untersuchungen wieder aufgenommen werden.

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