07.01.2021 06:00 |

Top-Mediziner erklärt:

Was die Corona-Mutation B.1.1.7. gefährlich macht

Das „Briten-Virus“, die aus dem Südosten Englands kommende Form des Coronavirus SARS-CoV-2 mit dem Namen B.1.1.7. sorgt derzeit für große Sorge. Deutschland verschärft die Maßnahmen. Ein Wiener Top-Mediziner erklärt das Phänomen.

In Großbritannien werden bereits weit über die Hälfte der Krankheitsfälle der mutierten Form des Coronavirus zugeschrieben. Und diese breitet sich weiter aus. Laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) konnte man sie mittlerweile in 32 Ländern nachweisen, darunter auch bei uns.

In Deutschland wurde deshalb zuletzt der Kampf gegen die Ausbreitung weiter verschärft. So wird der Bewegungsradius von Menschen in besonders betroffenen Regionen auf 15 Kilometer rund um den Wohnort limitiert. Eine Maßnahme, die es in Österreich nicht geben wird, auch weil sie de facto nicht überprüfbar ist.

Dass Viren sich ständig verändern, sei keine Überraschung, betont Dr. Andreas Bergthaler, Zentrum für Molekulare Medizin (CeMM), MedUni Wien: „Wir gehen seit der Ursprungssequenz des Coronavirus von etwa 20 bis 35 Mutationen aus.“

Die zunächst aus dem Südosten Englands kommende Form mit dem Namen B.1.1.7. kennen Forscher bereits seit September. Kennzeichnend für dieses „britische Mutationsensemble“ sind 17 gemeinsam auftretende Veränderungen des Erbguts des SARS-CoV-2-Virus. Wissenschaftler entdeckten dabei einen ungewöhnlich hohen Mutationsgrad der Spike-Proteine, mit denen der Erreger an die Zellen andockt. Die Ansteckungsgefahr ist sehr hoch.

Variante könnte sich in Patient gebildet haben
Wie genau sich die Variante entwickelte, ist nicht geklärt. Laut Forschern dürfte sie sich wohl in einem chronisch kranken Menschen gebildet haben. Solche Patienten haben ein geschwächtes Immunsystem, was eine Infektion über längere Zeit hinzieht.

Was viele beunruhigt: Relativ junge Menschen stecken sich mit der Mutation an, unter den in Österreich entdeckten Infizierten fanden sich drei Kinder.

In Südengland kam es bislang vermehrt bei den 20- bis 40-Jährigen zu neuen Fällen. Österreichische Experten wollen sich darauf aber nicht festlegen, auch gebe es keine Hinweise auf einen unterschiedlichen Krankheitsverlauf. Positiv stimmt ebenfalls, dass die Wirksamkeit der Impfung laut Ärzten wahrscheinlich nicht durch B.1.1.7. beeinträchtigt wird. Genauere Forschungen und Beobachtungen dazu müssen allerdings noch folgen.

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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