Beim Lokalaugenschein am Mittwoch, der eine Stunde dauerte, vermittelte die 41-Jährige den Eindruck, als würde ihr der Tod der beiden Kinder nicht viel bedeuten. "Offenbar ist sie dermaßen intensiv mit ihrer Alkoholerkrankung beschäftigt, dass sie die Realität nicht wahrnimmt", sagte ein Ermittler. "Sie begreift nicht, was sie getan hat." Die Frau sei aber voll geständig, aus Wut ein Feuer gelegt zu haben, das sie danach nicht mehr unter Kontrolle bringen konnte.
Die kleinen Kindersärge von Esther und Enrico wurden am Donnerstag in der örtlichen Kapelle aufgebahrt (Bild). "Wir wünschen euch einen Engel, der euch hält und trägt", steht auf einem Trauerflor.
Jugendamt betreute Familie seit dem Frühjahr
Am Donnerstag hat sich auch die Bezirkshauptmannschaft Judenburg, von wo aus seit dem Frühjahr die Sozialbetreuung der Familie erfolgt ist, zu Wort gemeldet. Bezirkshauptfrau Ulrike Buchacher erklärte, dass die Familie nach einer Anzeige wegen eines Streits des Ehepaars unter Beobachtung war. Das Jugendamt habe sich sofort um den Zustand der Kinder gekümmert und festgestellt, dass diese weder verwahrlost waren, noch Probleme in der Schule hatten. Die Eltern zeigten sich kooperativ und hätten erkannt, dass sie Hilfe brauchten, so Buchacher. Ein mobiler Dienst kümmerte sich mehrmals die Woche um die Familie und half ihr zum Beispiel, Ordnung in den Tagesablauf zu bringen.
"Die Kinder hingen sehr an ihrer Mutter, weshalb es nie zur Debatte stand, die Kleinen aus der Familie zu nehmen. Außerdem hat sich die Situation durch die Betreuung zuletzt stark verbessert", versicherte Buchacher. Zu keinem Zeitpunkt sei Gefahr im Verzug gewesen. Dass es trotzdem zu einer derartigen Kurzschlusshandlung der Mutter gekommen sei, erkläre sie sich damit, dass "man halt nicht in die Menschen hineinschauen" könne.
Familie zieht in eine Ersatzwohnung
Noch in der Nacht des Unglücks hätten die Sozialarbeiterinnen ihre Arbeit aufgenommen und sich um die übrigen Familienmitglieder - einen 22-jährigen behinderten Sohn, der gerettet werden konnte, den 43-jährigen Vater und zwei weitere Kindern, die bei den Großeltern wohnen - gekümmert. Eine Ersatzwohnung der Stadtgemeinde Judenburg werde derzeit mit Möbeln eingerichtet, damit die Familie ein Dach über dem Kopf habe. Auch bei den Begräbniskosten sicherte Buchacher die Hilfe der Stadtgemeinde zu.
Kronen Zeitung und krone.at
Bild: Heinz Weeber
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