18.11.2020 06:00 |

Trotz zweiter Welle

Psychiater Haller: „Es wird vorübergehen“

Das Land fährt wieder herunter, die Zahl der Corona-Positiven ist ungebremst hoch - und doch scheinen viele die Lage nicht mehr so ernst zu nehmen. Resignation, Müdigkeit und kein Ende in Sicht - oder? „Doch, es gibt das Licht am Ende des Tunnels“, sagt der Psychiater Reinhard Haller, „man sieht es nur vielleicht noch nicht.“

Aber zum Anfang: Die Stimmung entscheidet den Kampf gegen Corona mit. Nach gut neun Monaten Pandemie hat sich die Haltung in der Bevölkerung verändert. „Es gibt im Groben drei Reaktionen auf die Situation“, erklärt Haller. „Es gibt jene Menschen, die ängstlich sind. Jene, die sich verweigern, und es gibt jene, die resignieren.“ Aber wie kommen wir da wieder heraus? „Wir müssen uns vor Augen halten, dass jede Pandemie vorbeigeht“, sagt der Psychiater. „Corona wird die Menschheit nicht fortschreitend dahinraffen. Wir wissen nicht wann, aber wir wissen, es wird auch diese Krise zu Ende gehen.“

„Müssen es ein Stück weit ertragen lernen“
Das Virus sei unkalkulierbar, das sollte deutlicher kommuniziert werden, sagt Haller. Denn von einer „besseren Grippe“ bis zur „tödlichen Seuche“ sei alles dabei - „das verunsichert die Menschen“. Zumal es ein Problem unserer Zeit sei, dass alles hektisch sei, „wir wollen Dinge rasch ändern, können uns schlecht fügen“. Doch das Virus werde nicht einfach verschwinden, auch wenn wir uns das wünschen.

„Im besten Fall kommt man gestärkt heraus“
Es gilt also, „die Situation ein Stück weit zu ertragen“ und zu lernen, „wie ein Kapitän sein eigenes Schiff nicht nur bei Ruhe, sondern auch bei Sturm zu lenken“. Eine Krise sei eine Weggabelung - im besten Fall komme man gestärkt daraus hervor. „Aber natürlich bringt sie auch Opfer“, sagt Haller. Darauf gilt es aufzupassen und aus dem ersten Lockdown zu lernen: Man wisse etwa, dass im Frühling viele Menschen unter Schlafproblemen litten. Wer diese Erfahrung gemacht hat, kann nun gegensteuern - „eventuell auch mit Medikamenten, da es zeitlich begrenzt ist“, so Haller. Zudem sollten Menschen sich nicht scheuen, Hilfe zu holen, Therapien nicht unterbrechen und auch auf den Alkoholkonsum aufpassen.

Ansonsten gilt, den Blick auf das Positive nicht zu verlieren: „In Krisen neigt man dazu, die Situation noch schlechter einzuschätzen als sie ist“, sagt Haller. Doch auch wenn die Welt gerade dunkel scheint, zu Ende ist sie nicht. „Wir haben in Österreich eine unfassbare Natur, die wir nützen können.“ Auch die moderne Kommunikation komme uns nun zugute. „Und auch dass wir letztlich in einer Region leben, in der man eine Pandemie relativ gut überstehen kann“, sagt Haller. Denn unser Gesundheitssystem sei trotz allem im weltweiten Vergleich sehr gut - nun sollten wir es schützen.

Anna Haselwanter, Kronen Zeitung

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