17.11.2020 17:00 |

Kultur im Lockdown

„Gerade jetzt nicht die Lebensfreude verlieren“

„Hosch Tontechnik-Veranstaltungsservice“ beliefert seit 1997 die heimische Kulturszene mit professionellem Ton und Licht. Der gelernte Werkzeugmacher aus dem Burgenland entschloss sich 1986, Tirol als seine neue Heimat zu deklarieren. Sein ursprünglicher Beruf brachte jedoch nicht die erwartete Erfüllung. Durch seinen Musikerfreund Peter Hackspiel und Tontechniker Günther Buratti fand er den Weg zum Mischpult.

Es sind manchmal die unerwarteten Begebenheiten oder Zufälle, die man als schicksalhaft bezeichnen kann. Anfang der 1990er-Jahre war Tom Hosch als Roadie im Treibhaus Innsbruck engagiert. Der Künstler des Abends „Chico Freeman“ war nicht zum Soundcheck erschienen und dann tauchte der Tontechniker auch nicht auf. Was tun? „Jetzt musst du ran Tom, es hilft nichts“, waren die Worte von Günther Buratti – die Karriere an den Reglern fand auf diese Weise ihren Ursprung.

„Ich machte mir schon etwas in die Hose, aber es war dann wirklich auch noch überraschend gut, was ich da abgeliefert habe“. Die Erinnerungen sind lebhaft und der Wunsch, wieder aktiv mitmischen zu können, wird immer größer, je länger der Stillstand in dieser Szene aufgrund der Pandemie beibehalten werden muss. Tom Hosch fährt trotzdem täglich in die „Bude“, um dem Tag eine Struktur zu verleihen.

„Es gibt immer etwas zu tun und der tägliche Ablauf gibt mir das Gefühl einer Normalität“. Trotzdem bleibt wesentlich mehr Zeit übrig als gewohnt. „Die meiste Zeit verbringe ich auf meinen Fitnessgeräten und bei der Gartenarbeit“, sagt er und outete die Aussage mit einem herzlichen Lachen danach, als wohl eher der Ironie zugehörig.

Für seine Leidenschaften Kochen und Segeln bringt die unfreiwillig entstandene Freizeit jedoch die Möglichkeit, diese in einer ausgiebigeren Art und Weise zu frönen, wie es sonst der Fall wäre. Die Tradition, den Herbst und Frühling auf dem Meer zu verbringen, war und ist für den routinierten Segler zwar nicht umsetzbar, dafür wird der nahe gelegene Achensee oft besucht und gibt die Möglichkeit, Sorgen einmal zu vergessen und zumindest einen Kurzurlaub zu genießen.

Ausgedehnte Waldspaziergänge mit der Familie und das Kochen für ihn und seine Frau waren immer schon Bestandteil des Alltags. Der Unterschied zum „Normalzustand“ ist der nicht zwingende Blick auf die Uhr. „An die geschenkte Zeit könnte man sich gewöhnen, jedoch vermisse ich auch vieles, was ich an meinem Job liebe. Das Adrenalin in gewissen Momenten vor Premieren wie zum Beispiel den Volksschauspielen, das berufliche Zusammentreffen von Menschen, die über die Jahre Freunde geworden sind, und den kulturellen Austausch in so vielfältigen Bereichen, in denen ich tätig sein darf.“

Tom Hosch sieht sich als Teil der Tiroler Kunstszene und kennt den Großteil der auf und neben der Bühne agierenden Persönlichkeiten. Trotz spürbarer Existenzängste in seinem direkten Umfeld und auch der unsicheren Zukunft seiner Firma ist er dankbar, wie sehr der Zusammenhalt in der Szene spürbar sei und jeder versuche, das Beste aus der Situation zu machen.

Der Kalender der Firma wäre ab Mai wieder gut gefüllt und man spürt bei Tom Hosch die Freude auf die geplanten Veranstaltungen. Die Bedenken aufgrund der fehlenden klaren zeitlichen Perspektiven die Öffnung der Kultur betreffend seien zwar vorhanden, allerdings überwiege die Zuversicht.

Ob es um die „Volksschauspiele 2021“, „Telfs lebt“, um das „Hill Vibes Reggae Festival“ oder die „Volkskantine“ geht – der Ton-Mann Hosch lässt sich die Freude darauf nicht nehmen und erzählt enthusiastisch von den kommenden Plänen. Der erste Lockdown brachte noch schlaflose Nächte. Der zweite Lockdown ist für „Hosch Tontechnik-Veranstaltungsservice“ kaum spürbar, da die Auftragslage schon davor durch die allgemeine Situation miserabel war. Trotz allem ist die Lebensfreude und das selbstbewusste „Ich krieg das schon hin“ weiter das Motto des Genussmenschen Hosch. Simon Kräutler

 Tiroler Krone
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