31.10.2020 19:00 |

Allerheiligen in Tirol

Lienzerin sammelt Bilder für die Ewigkeit

Mit der Endlichkeit des Lebens beschäfitgt sich eine Lienzerin nicht nur rund um Allerheiligen und Allerseelen: Sie sammelte onlineinnerhalt von mehreren Jahren rund 202.000 Sterbebilder.

Wer von uns kennt sie nicht, die kleinen Andenkbilder, die man am Ende einer Beerdigung als letzte Erinnerung an den lieben Verstorbenen überreicht bekommt? Bei Angehörigen sammelt man solche Bilder vielleicht noch in der Schublade, andere werden irgendwann weggeworfen.

Millionenfach besuchte Webseite
Daher waren Sterbebilder für Forscher, Angehörige und Interessierte meist nur in Privatsammlungen oder Museen zugänglich oder konnten in mehr oder weniger zufälliger Zusammenstellung in Kapellen betrachtet werden. Seit 2012 betreibt jedoch Christine Schwemberger aus Lienz in einer Privatinitiative die inzwischen millionenfach besuchte Website www.sterbebilder.schwemberger.at

Es ist eine Fundgrube ungeahnten Ausmaßes, mit Suchfunktion für Namen und Orte und sogar für Stichworte wie etwa „Lawine“, „Mord“ oder „Unglück“.

Häufig Hunderte Bilder für einen einzigen Ort
Selbst für mittlere Tiroler Orte „spuckt“ die Webseite häufig Hunderte historische und aktuelle Sterbebilder aus, die ältesten reichen bis in das 17. Jahrhundert zurück. Tieftraurige sind dabei, die von Krieg, Krankheit und dem Tod in den besten Jahren des Lebens erzählen. Aber auch unfreiwilliger Humor kommt vor allem bei den älteren Exemplaren nicht selten vor („wohlvorbereitet unter einer Lawine ums Leben gekommen“).

Ermordeter Ururopa war Anstoß für Webseite
Wie kam die Lienzerin auf diese Idee? „Mein Ururgroßvater wurde 1884 im Südtiroler St. Lorenzen ermordet. Im Testament, das ich im Bozner Landesarchiv gefunden habe, war von der Anfertigung eines Sterbebildes die Rede“, erinnert sich Schwemberger. Naheliegend, dass sie wissen wollte, wie ihr Vorfahre aussah.

Auf der Suche nach dem Sterbebild wurde sie auch tatsächlich im Museum Wassermann in Niederdorf (Pustertal) fündig. Nach der aufwendigen und kostenintensiven Suche entstand die Idee, eine große Website mit Sterbebildern zu konzipieren, auf die jeder Ahnen- und Geschichtsinteressierte kostenlos zugreifen kann.

Grundstock kam von großer Stadtbibliothek
Den endgültigen Anstoß gab dann der Brixner Stadtbibliotheks-Direktor, der einen ersten Grundstock mit bereits digitalisierten Bildern zur Verfügung stellte. „Mit meinen eigenen waren es dann schon über 10.000 Stück“, verdeutlicht die Lienzerin. Inzwischen hat sie etliche Helfer, die beispielsweise in Kapellen Sterbebilder fotografieren. Vielfach werden ihr eingescannte Bilder auch zugesandt – als E-Mail an c@schwemberger.at

Andreas Moser
Andreas Moser
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