21.10.2020 06:00 |

Ausschreibung startet

Neue Straßenbahnen für Graz: „Flüsterbim“ gesucht

Die Stadt Graz stellt die Weichen für den Ankauf neuer Straßenbahnen. Mitte des nächsten Jahres startet die Ausschreibung. Laut Fahrplan soll dann spätestens Anfang 2022 feststehen, welches Modell den Zuschlag erhält. Das Thema ist brisant: Der letzte Ankauf lief holprig und nicht ohne Nebengeräusche ab.

Das Straßenbahn-Netz in der steirischen Landeshauptstadt wird ausgebaut: Die neuen Linien zu den Reininghausgründen und zur Smartcity sind bereits in Bau. Die Linien nach Puntigam und Mariatrost sollen zweigleisig ausgebaut werden. Und auch die zweite Trasse durch die Grazer Innenstadt ist „auf Schiene“.

Wenn diese 2024 in Betrieb geht, werden 15 neue Straßenbahnen benötigt. Damit man Mengenrabatt bekommt, will sich die Stadt eine Option auf weitere 15 bis 20 sichern, die man erst braucht, wenn die Südwest-, die Nordwest- und die Uni-Linie verwirklicht werden. Im Rathaus rechnet man mit einem Stückpreis von 3,5 Millionen Euro.

Nächste Haltestelle im Beschaffungsprozess: die Ausschreibung. Die Unterlagen werden gerade fertiggestellt. Die Laufruhe wird ein Auswahlkriterium sein. Bei der Variobahn gab es bekanntlich Probleme mit Lärm und Vibrationen. Bürger berichteten von schlaflosen Nächten und Rissen in Hauswänden. Das Ganze ging so weit, dass die „Donnerbim“ als Fehlkauf abgestempelt wurde. Auch wenn die Firma Stadler Verbesserungen durchführte - das wollen die Verantwortlichen sich und den Anwohnern nicht mehr antun.

Modelle auf dem Prüfstand
Zwei Hersteller, Siemens und Alstom, haben Straßenbahnen für Testfahrten nach Graz geschickt. Beide sollen, so hört man, gut gelaufen sein. Offiziell will dazu niemand etwas sagen. Aus rechtlichen Gründen: Beim letzten Mal ist Siemens nicht zum Zug gekommen - und klagte die Stadt, wenn auch ohne Erfolg.

Kritik an der Entscheidung gab es damals auch, weil Siemens in Graz einen Produktionsstandort hat, und die Bims zumindest teilweise hier gefertigt worden wären. Solche Überlegungen dürfen bei einer EU-weiten Ausschreibung allerdings keine Rolle spielen.

Mit dem Ankauf neuer Straßenbahnen ist es nicht getan. Im Zuge dessen müssen auch die zwei Grazer Remisen in der Steyrergasse und in Eggenberg ausgebaut werden - denn dort gibt es nicht genug Abstellflächen.

U-Bahn: Bürgermeister fährt zweigleisig
Der Straßenbahnausbau und die U-Bahn-Vision von Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) sind kein Entweder-oder, wird betont. Nagl geht es auch darum, eine Schnellverbindung vom Umland ins Zentrum zu schaffen, damit weniger Menschen mit dem Auto nach Graz pendeln - und in der Rushhour nicht die ganze Stadt im Stau steht.

Es soll bereits ein detailliertes Konzept mit Haltestellen geben - es ist aber noch „top secret“. Bekannt ist, dass die U-Bahn teilweise oberirdisch geführt werden soll - der Begriff Stadtschnellbahn trifft es also besser. Und dass zwei Linien geplant sind: eine von Norden nach Süden, und eine von Osten nach Westen.

Seinen Kritikern, die meinen, für eine U-Bahn wäre die Murmetropole zu klein, richtet Nagl aus, dass es nicht nur im großen Wien, sondern auch in Linz bereits eine gebe: eine drei Kilometer lange „Mini-Metro“. Und: Selbst in New York hat man ja einmal mit einer Haltestelle angefangen...

Ernst Grabenwarter
Ernst Grabenwarter
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