15.10.2020 20:07 |

Quarantäne

Angst vor Corona lähmt Kuchl

Ohnmacht und viele Fragen: Die Nachricht von der Quarantäne bremste das Ortsleben schon am Donnerstag. Warum ausgerechnet die eigene Gemeinde? Wo führt das alles hin?

Viele schweigen lieber, huschen noch schnell in ein Geschäft und eilen weiter: Die Aussicht auf zwei Wochen Quarantäne verdüstert die Stimmung. Details kennt Montagmittag noch niemand, nicht einmal der Bürgermeister selbst. Beim Friseur Papagena klagen Johanna und Ivana über viele Absagen. „Ab Samstag dürfen wir anscheinend nur noch Kuchler dran nehmen“, erzählen sie, selbst hinter großen Schutzschildern verborgen. Seit Monaten werden hier alle Sitzplätze laufend desinfiziert. Es gehört mittlerweile schon fast so dazu wie das Haare-Zusammenkehren. „Alle haben jetzt Angst“, sagen die Friseurinnen bedrückt. Ein paar Meter weiter unweit der Kirche ist beim Metzger noch viel Betrieb: „Wir wissen noch gar nichts!“, hofft eine Mitarbeiterin, dass das Geschäft auch weiterhin offen haben darf. Volksschulkinder gehen schnell heim, alle mit bunten Masken in der Hand. Auch ihr Blick ist ernst. Ob die Bank schräg gegenüber offen halten wird, ist auch noch ungewiss: In der Schalterhalle wirkt der Hinweis „Vollmaskierungen aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt“ wie eine Ironie der Zeit

Beim Blumenladen wollen zwei Kuchlerinnen sich noch schnell für Allerheiligen eindecken: „Zu viel Angst hilft auch nicht weiter“, meint eine freundliche Dame. Sie bleibt viel zu Hause, kocht gern. Veranstaltungen der letzten Tage, wie ein später kritisiertes Charity-Treffen, will sie nicht verurteilen, hat selbst aber lieber Geld für Nico überwiesen.

Die Zahl der Infizierten kletterte am Donnerstag in der rund 7300-Einwohner-Gemeinde auf 88 Fälle. Die Gemeinde richtete einen Fragenkatalog an das Land, weil noch viele Punkte ungeklärt sind (siehe Interview).

Nikolaus Klinger
Nikolaus Klinger
Sabine Salzmann
Sabine Salzmann
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