06.10.2020 15:39 |

Große Fischrettung

Der Grazer Mühlgang als Müllhalde

Alles für die Fisch’! Einmal im Jahr wird der über 30 Kilometer lange Mühlgang in und südlich der Landeshauptstadt „ausgelassen“. Deshalb steigt dieser Tage zwischen der Grazer Weinzödlbrücke und dem Kraftwerk Werndorf die größte Fischrettungsaktion des Landes. Tausende Fische werden so vor dem Tod bewahrt.

Von der Bachforelle über Äschen, Barben oder Karpfen bis hin zur seltenen Aalrutte und dem Huchen, dem inoffiziellen „Wappentier“ der Mur - viele Grazer haben wohl keine Ahnung davon, welch große Artenvielfalt sich unter der meist trüben Oberfläche des Mühlgangs tummelt. „Bei unserem jährlichen Abfischen stoßen wir eigentlich auf das gesamte Artenspektrum der Mur - insgesamt sind das über 20 verschiedene Fischarten“, sagt Robert Thüringer, Obmann des Arbeiterfischereivereins Graz.

Irritierte Blicke
Um Instandhaltungsarbeiten an den Kleinkraftwerken durchzuführen, lässt der Eigentümer „Das Ältere Mühlconsortium“ das Wasser des Mühlgangs einmal im Jahr ab. Seit 1990 führt der AFV mit vielen Freiwilligen deshalb die Fischrettungsaktion durch - ohne jede öffentliche Unterstützung. Dafür mit jeder Menge irritierter Blicke der Bevölkerung, wenn sich die Trupps im „Gummi-Outfit“ und mit Gleichstromgeräten sowie Netzen „bewaffnet“ im Stadtgebiet ausrücken.

Über eine Tonne Fisch wird gerettet
„Am Ende des Tages wird es heuer wohl über eine Tonne Fisch sein, die wir retten konnten“, zieht Thüringer zufrieden Bilanz. Die Fische werden in der Mur wieder freigelassen - schlechter geht’s für die vielen Krebse, die gefangen wurden, aus. „Das sind Signalkrebse, eingeführt aus Nordamerika - sie übertragen die Krebspest und gefährden unsere einheimische Arten.“

Neben unzähligen Fahrrädern stoßen die Fischer im Mühlgang aber auch auf Nummerntafeln, Einkaufswägen, Handys und sogar Waffen. „Manche Leute verwechseln den Mühlgang offensichtlich mit dem Sturzplatz.“ 

Marcus Stoimaier
Marcus Stoimaier
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