08.09.2020 20:27 |

Bei ihrer Festnahme

Lukaschenko-Gegnerin zerriss ihren Reisepass

Die weißrussischen Behörden haben einem Augenzeugen zufolge versucht, die verschwundene Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa gewaltsam in die Ukraine abzuschieben. Kolesnikowa sei „auf den Rücksitz eines Autos gezwungen“ worden, berichtete der weißrussische Aktivist Anton Rodnenkow am Dienstag in Kiew. Er war bei dem Vorfall an der weißrussisch-ukrainischen Grenze anwesend.

Die Opposition betonte, dass sie gegen ihren Willen außer Landes gebracht werden sollte. Den Behörden nach wollte sie aber angeblich in die Ukraine ausreisen. Über ihren Aufenthaltsort herrschte zunächst Unklarheit.

Kolesnikowa habe sich vehement gegen die Festnahme gewehrt und dabei auch ihren weißrussischen Pass zerrissen, sagte Rodnenkow über den Vorfall. Am Vormittag äußerte der deutsche Außenminister Heiko Maas große Sorge um den Verbleib der Politikerin. Die EU arbeite an einem Paket an Sanktionen, wenn Staatspräsident Alexander Lukaschenko seinen Kurs nicht ändere.

Festnahme um „Umstände zu klären“
Lukaschenko sagte in einem Interview mit Journalisten russischer Staatsmedien, dass Kolesnikowa angeblich zu ihrer Schwester in die Ukraine flüchten wollte. Die Grenzbeamten hätten sie daran gehindert. Einige Mitarbeiter des Koordinierungsrates waren zuvor schon festgenommen worden oder ausgereist. Den Behörden zufolge kam es zu der Festnahme, um „Umstände zu klären“. Details wurden nicht genannt.

Der Vize-Innenminister der Ukraine, Anton Geraschtschenko, sprach auf Facebook von einer versuchten Abschiebung. „Maria Kolesnikowa konnte nicht aus Weißrussland abgeschoben werden, weil diese mutige Frau durch ihre Handlungen ihre Deportation über die Grenze unmöglich machte.“

Widersprüchliche Aussagen über Verbleib
Zuvor hatte es widersprüchliche Berichte über den Verbleib der Oppositionspolitikerin gegeben. Am Vormittag sagte ein Sprecher des Grenzschutzes, Kolenikowa sei „derzeit in Gewahrsam“. Davor hatte es geheißen, sie sei kurz festgenommen worden und habe danach die Grenze zur Ukraine passieren können. 

Kolesnikowa war am Wochenende verschwunden. Ihre Unterstützer berichteten davon, dass sie keinen Kontakt mehr zu ihr aufnehmen konnten. Eine Augenzeugin berichtete nach dem Vorfall, sie sei in einem Minibus verschleppt worden.

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