20.08.2020 19:05 |

Altersschnitt bei 31

Appell an Jugend: Verbreitet Freude, nicht Corona!

Discos zu, Sperrstunde um 1 Uhr, Masken tragen, Abstand halten - wer derzeit Jugendlicher oder junger Erwachsener ist, hat es wahrlich nicht leicht. Im Sommer wird normalerweise gefeiert und geflirtet, in den Lokalen daheim und an den Urlaubsorten, heuer ist durch die Corona-Pandemie alles anders. So manche wollen da nicht mitspielen, was ihnen bereits einen Ordnungsruf von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) eingebracht hat, nachdem immer mehr junge Menschen mit dem Virus im Gepäck aus dem Urlaub heimkehrten. Einen Appell richtet die WHO an die Jugend: „Verbreitet Freude, nicht Covid-19!“, so Europa-Generaldirektor Hans Kluge. Doch so einfach ist das nicht mit der Freude.

„Reißt euch zusammen und übernehmt auch Verantwortung!“, hatte Anschober am Dienstag getwittert, nachdem in den acht Tagen zuvor 262 Reiserückkehrer aus Kroatien positiv getestet worden waren. Das Durchschnittsalter der zumeist männlichen Urlauber: 23,5 Jahre. Zwar hätten die meisten Erkrankungen bei Jungen einen milden Verlauf, aber - wie auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in seiner Rede zur Corona-Lage betonte - merkten viele gar nicht, dass sie das Virus in sich tragen. „Sie stecken dann aber Familienmitglieder an und gefährden ältere Menschen. Und das kann dann sehr schnell wieder sehr gefährlich werden.“

Kurz: „Das Virus kommt mit dem Auto nach Österreich“

Altersschnitt von 52 Jahren im April auf 31 Jahre gesunken
Allerdings ist es eine gute Nachricht, dass der Altersschnitt der Infizierten von 52 Jahren im April auf nun 31 Jahre gesunken ist. Damit seien weniger Risikogruppen betroffen, sieht auch Anschober eine „sehr positive Entwicklung“. Was die Infektionszahlen angehe, gibt es aber alles andere als Entwarnung: Binnen 24 Stunden wurden 347 neue Corona-Fälle registriert - viele bei Reiserückkehrern. 30 Prozent der Neuinfektionen fanden jüngst im Ausland statt - mit den Reisewarnungen für Kroatien und die Balearen wurden aber Maßnahmen gesetzt, um rasch gegenzusteuern.

Laut WHO-Europa-Generaldirektor Kluge sei der Anteil der 15- bis 24-Jährigen an den neuen SARS-CoV-2-Infektionen einer Studie zufolge von ehemals 4,5 Prozent auf bis zu 50 Prozent gestiegen. Er wisse, dass kein Jugendlicher einen Sommer „verpassen“ wolle, aber man müsse an die Jungen appellieren, dass sie Freude verbreiten sollten anstatt dem Virus.

Clubs sind zu, Events fallen aus, die Arbeitslosigkeit ist hoch
Für die junge Generation ist die Corona-Zeit allerdings lähmend. Die Clubs sind geschlossen, Großevents gestrichen, statt Urlaub am Ballermann oder in kroatischen Hotspots heißt es nun überall in Österreich um 1 Uhr früh: Sperrstund is‘. Gleichzeitig sind die Jungen von Arbeitslosigkeit besonders betroffen. Im Juli waren 41.750 Jugendliche bzw. junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren ohne Job - um 52,4 Prozent mehr als im Juli des Vorjahres. Auch Lehrstellen und Ausbildungsplätze wurden weniger.

Statt einer Schelte muss eine Perspektive für die Jugend her
EU-Jugendbotschafter Ali Mahlodji verteidigte in einem Interview mit Puls 24 (siehe auch Video ganz oben) die Jungen: „Bis jetzt waren uns die Jugendlichen eigentlich egal, und jetzt plötzlich hat man einen großen Appell an sie.“ Er kennt die Situation: „Wenn du nicht arbeiten kannst, wenn du nicht raus kannst eine lange Zeit, dann ist für manche genau dieses Feiern“, das zähle. Eine Schelte sei aber nicht das Richtige, eine Perspektive für die Corona-Jugend müsse her.

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler
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