03.08.2020 17:00 |

Bei Flugschule Parafly

Mit dem Schirm über Tirols Berge gleiten

Den Traum vom Fliegen erfüllt sich manch ein Wagemutiger mit dem Paragleitschirm. Die „Tiroler Krone“ hat die Ausbildung, die dahintersteckt, unter die Lupe genommen und den Selbsttest gemacht.

Ein paar kräftige Schritte den Hang hinunter und schon breitet sich der große Schirm über unseren Köpfen aus. Innerhalb einer Sekunde checkt Fluglehrer Ingo, ob auch wirklich alles passt. Dann gibt er das Kommando: „Und laufen!“ Nach kürzester Zeit sind wir in der Luft und gleiten mit rund 35 km/h über Neustift im Stubaital. Meine anfängliche Angst ist schnell im wahrsten Sinne des Wortes verflogen und ich genieße den traumhaften Blick über Tirols Bergwelt.

Zwei Wochen Ausbildung
Vor dem Start hat mir Juniorchefin und Fluglehrerin Florina Eller von der Flugschule Parafly die Ausbildung erklärt. „Vom Fußgänger zum Piloten dauert es zwei Wochen.“ Der Kurs startet zuerst am Boden. Die Schüler lernen, wie man sich in das Gurtgerüst einhängt und den Umgang mit dem Schirm. Danach geht es zum Übungshang, der 50 Höhenmeter misst. Dort werden 15 Übungsflüge gemacht.

Zweistündiger Theorietest
„In diesen Miniflügen werden das Schirm Aufziehen, das Losfliegen und die Landung geübt.“ Nach drei Tagen geht es dann mit der Gondel hinauf auf den so genannten „Elfer“. Vom Start bis zum Landeplatz beträgt der Höhenunterschied 800 Meter. Von dort müssen 15 Höhenflüge absolviert werden. Auch die Theorie, bestehend aus Meteorologie, Luftrecht, Aerodynamik und Gerätekunde, gilt es zu erlernen. Am Ende wartet ein zweistündiger Test.

40 Höhenflüge zum Pilot
Innerhalb einer Woche werden diese Ausbildungsschritte und somit der Kombi-Kurs absolviert. In der zweiten Woche folgen weitere 25 Höhenflüge. Nach den 15 Miniflügen, der Theorieprüfung und den insgesamt 40 Höhenflügen ist man im Besitz der A-Lizenz, die zum Fliegen innerhalb eines Gebietes berechtigt und rund 1600 Euro kostet. Wer längere Strecken oder länderübergreifend fliegen möchte, benötigt die B-Lizenz. Die Ausrüstung, bestehend aus dem Gurtgerüst, dem Schirm und einem Notschirm kostet rund 4000 Euro. Für die Ausübung des Sports ist körperliche Fitness wichtig, sagt Eller, „da der Übungshang relativ anstrengend ist“.

„Großes Stück Freiheit“
Zu den größten Herausforderungen zählt laut Eller zu Beginn das dreidimensionale Schauen aus der Vogelperspektive und der richtige Umgang mit dem Material. Mit der richtigen Einstellung sei die Ausbildung aber für jeden machbar. „Eigentlich ist es sehr simpel“, sagt die Fluglehrerin, für die „das große Stück Freiheit“, das man bekommt, die Faszination des Sports ausmacht. Hartgesottene verbringen - mit Verpflegung - sogar bis zu zehn Stunden in der Luft.

Mein Tandemflug mit Ingo, der seit 2008 Fluglehrer ist, endet nach einer Viertelstunde. Am Ende bekomme ich ein Tandemdiplom überreicht. Und an das große Stück Freiheit werde ich noch oft zurückdenken.

„Überschätzung ist oft Unfallursache“
Im „Krone“-Interview erklärt Florina Eller, wie das Unfallrisiko beim Paragleiten minimiert werden kann und welche Bedingungen es für einen Flug ohne Turbulenzen braucht.

Krone: Wie kann man das Unfallrisiko minimieren?
Eller: Es gibt Sicherheitstrainings, wo man lernt, wie man den Schirm nach einer Störung wieder herstellt. Nach einer längeren Pause empfehle ich eine Auffrischung. Unfallursache ist meist Selbstüberschätzung.

Wie sieht das optimale Flugwetter aus?
Wenig Wind ist optimal. Bei zu viel kommt man nicht mehr vorwärts. Ist es föhnig, hat man nichts in der Luft verloren.

Darf man von überall aus starten?
Es gibt Flugräume, die immer freigegeben sind. Wenn man bei der Nordkette fliegen will, muss man vom Flughafen eine Erlaubnis einholen.

Manuel Schwaiger
Manuel Schwaiger
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